Von Emil Angel

Madeleine und Gabriel Commandre, beide Rentner, besitzen etwa 40 ha Land im herrlichen Tal der Jonte. Sie halten eine Kuh und züchten Schafe und Geflügel. Ihr Haus war früher eine Mühle.

Die Commandres gehören zu den mehr als 500 französischen Bauernfamilien, die Gästezimmer vermieten, und dies im Durchschnitt für etwa 18 Mark, Frühstück inbegriffen. Roger Picherie und Michel Smith haben all diese Höfe besucht und sie – übersichtlich nach Regionen geordnet – in einem praktischen Buch vorgestellt.

Wir hatten uns für die Commandres entschieden, weil die Causses, an deren Rand ihr Gehöft liegt, mir von einer früheren Reise flüchtig bekannt waren. Die Causses bilden am südöstlichen Rand des Zentralmassivs ein etwa 1100 Meter hohes Kalksteinplateau, das von den tiefen, engen Schluchten des Tarn und der Jonte durchfurcht wird.

Wie es die Skizze vorschreibt, die Madame Commandre ihrem Brief beigefügt hat, verlassen wir die Route Nationale 596 „beim dritten Hochspannungsmast auf der linken Straßenseite“ und biegen in einen schmalen Feldweg ein. Wir fahren zwischen efeubewachsenen Mauern und halten plötzlich vor dem Mas de Prades, dem Gehöft unserer Gastgeber.

Das aus hellen, unbeworfenen Kalksteinquadern erbaute Haus liegt am Steilufer der Jonte. Es wird von allen Seiten von Bäumen, Hecken und meterhohem Gestrüpp bedrängt, so daß es auf den ersten Blick sehr klein erscheint. Wir sind erstaunt, als wir die geräumigen Zimmer betreten. Unter unserem Fenster plätschert lustig die Jonte.

Unsere Wirtin Madeleine ist gesprächig, neugierig und besorgt. Gabriel, ihr Mann, freundlich, aber zurückhaltend. Sie haben Probleme, die Commandres. Es sind die aller Bauern der Gegend. Die Schafzucht ist nur noch rentabel in den großen, modernen Züchtereien auf dem Plateau der Causses. Die Milch wird in die Käsefabrik nach Roquefort geliefert. In den Tälern aber darben die kleinen Bauern.