Zu einem Theaterleiter Boykott der Stadt Essen hat der Vorstand der Intendantengruppe im Deutschen Bühnenverein aufgerufen. Er stellte sich mit diesem ungewöhnlichen Schritt hinter den Essener Intendanten Ulrich Brecht, dessen auslaufender Vertrag mit der Stadt nicht verlängert wurde. Zuvor hatten sich bereits mehrere Theaterchefs, darunter in Bochum und Köln, mit Ulrich Brecht solidarisch erklärt. Nach einer Sondersitzung in Essen unter Vorsitz des Müncherier Staatsintendanten August E>serding betonte die Intendantengruppe am Montag in) einer Verlautbarung, das neue Vertragsangebot an Ulrich Brecht sei "unzumutbar" gewesen "Besonders bei angespannter Finanzlage müssen die künstlerischen Entscheidungen im Theater und nicht im Rathaus fallen", hieß es weiter. Von einer Bewerbung sollten alle Intendanten und Anwärter auf den Essener Posten unter solchen Bedingungen absehen "Wer es dennoch tut, muß wissen, daß ihn zensurähnliche Verhältnisse erwarten", so die Erklärung.

Der Klassizist Leo von Klenze hatte ihn sich grün vorgestellt und mit Rasen bewachsen lassen. Hitler, der ihn als Aufmarschplatz sah, hat ihn mit Platten pflastern lassen. Inzwischen ist er zur Durchfahrt und zum Parkplatz heruntergekommen, und alle waren sich darüber im klaren: So gehts nicht. Es sollte neu über diesen komplizierten einfachen Platz nachgedacht werden: den von Glyptothek und Antikensammlung flankierten, von den Propyläen gekrönten Königsplatz, einen Akropolistraum Ludwigs I. Ohne der Öffentlichkeit auch nur einen Spaltbreit Einblick zu gewähren, hat das Münchner Stadtplanungsreferat, wie es heißt, sämtliche Möglichkeiten zur Umgestaltung des Platzes durchprobiert, acht Varianten, und die Kommunalpolitiker schließlich für die historische Rekonstruktion gewinnen können: den Autofahrern eine breite Bahn, links und rechts von Grün verbrämt, ein Zwei Hälbe Platz, unüberwindbar vom Verkehr getrennt, die angeblich beste Variante. Dies zu bestreiten ist Bürgerpflicht: Es ist hochmütig, über einen so wichtigen schönen Platz hinter geschlossenen Türen nachzudenken und zu entscheiden; es gehört sich, daran die besten Köpfe des Landes zu beteiligen. Eben dies hat eine Petition zum Inhalt, die jetzt den Bayerischen Landtag erreichte: Veröffentlicht endlich alle acht Varianten! Schreibt einen Wettbewerb aus! Der Königsplatz gehört nicht dem Münchner Rathaus.

Die Todesstrafe ist abgeschafft - nicht nur durch das Gesetz, sondern durch das Grundgesetz. Wie man aber weiß, ist die schweigende, die fesunde Mehrheit unseres Volkes unbeirrbar für äs Blutgericht. Ihr mag es zum Trost gereichen, daß Menschen wenigstens noch auf Zejtungspapier hingerichtet, ausgelöscht werden dürfen. Bttd am standen hat, die elfjährige Cornelia Becker ermordet zu haben: "Fassungslosigkeit über dieses farblose Männchen dort im Saal in grauer Strickjacke und verbeulter brauner Ballonhose. Dieses Mausgesicht, diese blassen Spinnenhände, die sich artig erheben, um die Handschellen zu empfangen " Vom Männchen zum Märschen zur Spinne - so schnell ist der Menschins yngeziefer verwandelt. fjnd, schon fällt dsisjpunialisjiscli - allbeil, und tilgt das Un Wesen endgültig vom Erdboden: "Dieses Nichts greift zu einem Hammer und er schlägt ein unschu kfigq Kjnd?° pK;Wdes Menschen ? Man kann doch nicht mit dem Grundgesetz unterm Arm an der Schreibmaschine sitzen. Abgeschafft ist auch die Kriminalisierung der Homosexualität von Erwachsenen - j m Gesetz, nicht aber in den Köpfen und Herzen des Volkes, für das ein richtiger Perverser eben immer noch richtig pervers ist. Aber man ist ja tolerant. Doch ein Trost ist es schon, wenn wenigstens in den Zeitungen hin und wieder noch die Wahrheit gesagt wird. Zum Beispiel in Bild am Sonntag. Dort ereifert sich ein Reporter darüber, daßHamburgs Bürgermeister von Dohnanyi nicht den Konkurrenten Kiep, wohl aber einen "stadtbekannten Homosexuellen" zum jährlichen MatthiaeMahl eingeladen hat "Nun verlangt niemand von Herrn von Dohnanyi, daß er die Tunten der Stadt auswendig kennt f dafür hat er seine Leute). Aber, so finde ich, eins kann man von dem Aristokraten Dohnanyi sehr wohl erwarten: Kinderstube!" Da hilft nur noch eines: alle richtigen Männer (und alle anständigen Frauen) müssen unbedingt Leisler Kiep wählen! Alle Wege der SPD führen nach Gomorrha!