Des Kanzlers SPD

Die AfA, die Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen in der SPD, gilt als eine der Kerntruppen Helmut Schmidts in der Partei, auf die sich der Kanzler, wie auf die Gewerkschaften allgemein, gerne beruft. Wie sich die Truppe im einzelnen zusammensetzt, läßt die soziologische Aufschlüsselung der Delegierten erkennen, die sich am vergangenen Wochenende zur AfA-Bundeskonferenz in Bonn getroffen haben. Danach waren alle Delegierten, die den Fragebogen ausfüllten, gewerkschaftlich organisiert, die meisten in der gewerblichen Wirtschaft, aber ziemlich dicht gefolgt von Beschäftigten im öffentlichen Dienst. Überraschend scheint, daß Angestellte einen mehr als doppelt so hohen Anteil hatten als Arbeiter. Was das Alter angeht, so dominierte die Gruppe zwischen 41 und 50 Jahren; an zweiter Stelle standen die mehr als Fünfzigjährigen; doch gab es auch viele Delegierte zwischen 31 und 40 Jahren. Die ganz überwiegende Mehrheit gehört der SPD mindestens seit elf Jahren an, über ein Drittel sogar länger als zwei Jahrzehnte. Noch eindeutiger war die Verteilung zwischen den Geschlechtern: mehr als 90 Prozent der Delegierten waren Männer.

Sowjetmarschall warnt Pazifisten

Der sowjetische Generalstabschef, Marschall Nikolai Ogarkow, hat zum Kampf gegen pazifistische Tendenzen in der sowjetischen Jugend aufgerufen. In der Broschüre Allzeit bereit zur Verteidigung des Vaterlandes, die das Verteidigungsministerium neu herausgegeben hat, klagt Ogarkow über sinkenden Kampfgeist. Nachdem zwei Generationen im Frieden gelebt hätten, so meint der Generalstabschef, wüßten viele Jugendliche in der Sowjetunion überhaupt nicht mehr, was Krieg bedeute. Es gelte jetzt „einen entschiedenen Kampf gegen Selbstzufriedenheit und pazifistische Elemente“ zu führen. Die Klagen des Marschalls über den wachsenden Pazifismus in den eigenen Reihen fallen pikanterweise zusammen mit der positiven Berichterstattung der sowjetischen Massenmedien über die westeuropäische Friedensbewegung. Sind die Propaganda-Schüsse nach hinten losgegangen?

Verbraucherrat in Ungarn

In Ungarn ist jetzt eine Interessenvertretung der Verbraucher geschaffen worden – ein Novum in sozialistisch geführten Ländern, die dem Konsum ihrer Bürger bisher nur wenig Beachtung schenkten. Den neuen ungarischen „Verbraucherrat“ hat die „Patriotische Front“ gegründet, ein Gremium, in dem verschiedene gesellschaftliche Organisationen vertreten sind. Er soll die Tätigkeit der staatlichen und Wirtschaftsorgane mit Empfehlungen und Ratschlägen unterstützen und, falls erforderlich, Untersuchungen und Maßnahmen einleiten. Außerdem ist es seine „feste Absicht“, rechtzeitig vor schlechten Produkten zu warnen. Klagen einzelner Bürger sollen allerdings nicht berücksichtigt werden; erst wenn sich die Beschwerden häufen, wird ihnen nachgegangen. Ungarn hat im Gegensatz zu seinen osteuropäischen Bruderstaaten den Konsumenten nicht erst seit den polnischen Streiks entdeckt: Schon seit Jahren gibt es in Budapest eine Warentest-Zeitschrift.

„Breschnjew zählt zur ersteren“