Klar“ ist ein schönes, kurzes, wohlklingendes deutsches Wort, das einen gemeinten Sachverhalt so genau wie möglich beschreibt. Für Goethe wurde es zum Lieblingswort, nachdem er erkannt hatte, was für ihn das Schlimmste war. Und das Schlimmste war für ihn „das Trübe“: das Schwelgen und der Schwulst, das Tändeln und das Täuschen, das Vernebelte zwischen Hü und Hott, zwischen Fisch und Fleisch, zwischen Sinn und Ausdruck.

„Klar“ läßt sich bestimmen als genau das Gegenteil von „trübe“: hell, durchsichtig, einleuchtend.

So mag es angehen, wenn jemand auf der Suche nach Klarheit auch einmal etwas klar macht, was vorher eben trübe und dadurch vielleicht unverständlich war. Er täte wohl besser daran, es zu „erklären“, wenn dieses Wort nicht im Obrigkeitsstaat seiner ursprünglichen Bedeutung entfremdet worden wäre und nun die Bedeutung tragen muß von „feststellen“ und „kundtun“. Die Obrigkeit erklärt, gibt eine Erklärung ab, stellt fest, tut jedermann kund – und wehe dem, der widerspricht!

Bleiben wir also beim „klar“: klar denken, klar reden, klar schreiben. Aber Vorsicht! Die Feststeller und Erklärungsabgeber geben sich nicht zufrieden damit, daß sie „erklären“ ins Trübe gezogen haben, sie sind darauf aus, das noch ungetrübte „klar“ für ihre Zwecke zu mißbrauchen.

Da ihre sprachliche Phantasie beschränkt ist, halten sie sich an das Verfahren, das schon einmal den gewünschten Erfolg gehabt hat, als sie mit ihren „Erklärungen“ „feststellten“. Und so wie sie „feststellten“, so wollen sie jetzt „klarstellen“. Seien Sie mißtrauisch! Viele dieser Stell-Wörter sind bürokratischer Schwulst. Da wird fertiggestellt, zufriedengestellt, sichergestellt und richtiggestellt. Wenn jemand etwas „klarstellen“ will, dann liegt die Gefahr nahe, daß es ihm keineswegs um Klarheit geht, sondern um Dementi, Rechthaberei, Macht. Wer immer „hier einmal klarstellen“ möchte, will vermutlich auch weiterhin im Trüben fischen.

Dagegen scheint mir eine Wendung unserer Zeit durchaus dem Wortsinn zu entsprechen. Ich sehe keinen Grund, „dagegen vorzugehen“, wie mir von sprachbeflissenen Lesern angeraten wird. Im Gegenteil, ich fragte Sie und mich selber gern danach, ob es mir wohl gelungen ist, das, was ich meine, so zu sagen, daß ein anderer, auch wenn er nicht meiner Meinung ist, diese Meinung dennoch ungetrübt und zweifelsfrei aufnehmen kann. Und ich wüßte keine kürzere und bessere Form für diese Frage (auch wenn mir einer sagte, es müsse „ich kennte“ heißen) als diese: Alles klar?

Leo