Die Situation, um mit Konrad Adenauer zu sprechen, ist da. Die Brüsseler EG-Kommission hat die Bundesregierung aufgefordert, den deutschen Biermarkt für die Konkurrenz aus den übrigen EG-Ländern zu öffnen. Durch das Reinheitsgebot, nach dem Bier nur aus Wasser, Gerstenmalz, Hopfen und Hefe gebraut werden darf, ist der deutsche Markt seit eh und je gegen Biere, die aus Mais, Reis oder gar Zuckersirup unter Zusatz von chemischen Konservierungsstoffen hergestellt werden, hermetisch abgeschlossen.

Die ersten Attacken Brüssels gegen die protektionistische Wirkung des deutschen Reinheitsgebots, das auf eine Verfügung des bayerischen Herzogs Wilhelm IV. aus dem Jahre 1516 zurückgeht, konnte die Bundesregierung Anfang der siebziger Jahre noch zurückschlagen. Doch nun wird es ernst, bierernst.

Bei der Aufforderung an Bonn stützt die EG-Kommission sich nämlich jetzt auf eine Reihe von Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofes in Luxemburg, in denen festgestellt wurde, daß eine Ware, die in einem EG-Land ordnungsgemäß in den Verkehr gebracht wurde, nicht vom Warenverkehr in einem anderen EG-Land ausgeschlossen werden kann, es sei denn, zwingende Gründe etwa des Verbraucherschutzes stünden dem entgegen. Das aber wird kaum zu beweisen sein. Bonn wird sich etwas anderes ausdenken müssen, damit Hopfen und Malz erhalten bleiben. hhb.