Wenn normale Schulen besser eingerichtet wären, dann viel weniger

Von Peter Keller

Die Sonderschule – ein typisch deutsches Übel“ heißt es in einer Veröffentlichung des Deutschen Kinderschutzbundes; „Sonderschule – Hilfe oder Endstation?“ ist das Thema einer Hörfunksendung des Hessischen Rundfunks; Schlagzeilen wie „Sonderschulen oft Abstellgleis“, „Sonderschuleinweisung oft unnötig“ markieren eine Diskussion, die verstärkt nach einer Pressekonferenz des Bundesministers für Bildung und Wissenschaft im August 1980 einsetzte.

Minister Jürgen Schmude, damals noch für dieses Ressort zuständig, hatte die Ergebnisse von 80 Modellversuchen zur gemeinsamen Förderung und Unterrichtung von Behinderten und Nichtbehinderten vorgestellt und die gemeinsame Förderung empfohlen.

Was mit „Integration oder Aussonderung“ oder im Hochschuljargon als „Integration oder Segregation“ bezeichnet wird, bedarf einer umfassenden Diskussion. Herausgefordert und zu Stellungnahmen genötigt fühlten sich denn auch beide Seiten: die Vertreter der Sonderschulen, also nach landläufiger Meinung die Befürworter der Aussonderung, und die Verfechter einer Integration, vor allem Eltern, Hochschullehrer der Sonderpädagogik und Mediziner.

Der Riß zwischen beiden Lagern ist inzwischen tief. So bezeichnete/der Vorsitzende des „Verbandes Deutscher Sonderschulen“, der baden-württembergische Ministerialrat im Kultusministerium, Bruno Prändl, die vielgerühmten Anstrengungen um die Integration behinderter Menschen in Italien als „italienische Seuche“. Die Schelte von Mitarbeitern der Sonderpädagogischen Fachbereiche an den Hochschulen Heidelberg, Wuppertal und Saarbrücken zu dieser Abqualifizierung ließ nicht lange auf sich warten.

Der Vorsitzende des „Bundes Deutscher Taubstummenlehrer“ warf indessen den Befürwortern der Integration „eine Vergiftung der Atmosphäre zwischen Schule und Elternhaus“ vor. Postwendend attestierten Eltern den Gehörlosenlehrern „Unvermögen“ und den „Neid gegenüber denjenigen, die etwas erreichen“.