Der achte Fall einer "Minister-Entscheidung"

Von Gunhild Freese

Wenn man im Hochgebirge ein Unwetter heranziehen sieht", so beschrieb Matthias Walden, derzeit im Verlagshaus Axel Springer die Nummer eins nach dem Verleger, die Situation des Pressekonzerns, "und das Herannahen der neuen elektronischen Medien ist als Unwetter zu betrachten, dann können nur Seilschaften das Unwetter bestehen".

Und diese Seilschaft, glaubt Axel Springer, hat er mit der Offenburger Verleger-Familie Burda gefunden. Im Juli 1981 hatten daher Zeitungsverleger Springer und die Zeitschriften-Verleger Burda beim Bundeskartellamt ihr Vorhaben angemeldet, daß zunächst 26 und bis Mitte 1983 weitere 25 Prozent des Springer-Verlages an die Offenburger übergehen sollten. Doch da das Kartellamt dieses untersagte, suchten die ehewilligen Verlagshäuser ihr Glück beim Bundeswirtschaftsminister, der die Elefantenhochzeit doch noch absegnen soll.

Befragung der Betroffenen

Um dem Minister für seine Entscheidung auch die nötigen Argumente, die vor allem gesamtwirtschaftliche Belange und die Interessen der Allgemeinheit berücksichtigen müssen, an die Hand zu geben, inszenierte am Dienstag dieser Woche die zuständige Grundsatzabteilung des Ministeriums eine umfängliche Befragung der betroffenen Unternehmen und der Wirtschaftsverbände. Allein das Haus Springer war mit elf Topmanagern vertreten, darunter Walden, Vorstand Peter Tamm und der erst jüngst wieder von Springer ins Haus geholte Christian Kracht.

Die Regie in der Springer-Partei führte indes ein Anwalt: Karlheinz Quack, der das Verlagshaus schon vor dem Kartellamt vertreten hatte. Seine Stoßrichtung war klar: Die Gefahr – nicht nur für den Verlagsgiganten Springer, der mit Bild und Hörzu, Hamburger Abendblatt und Berliner Morgenpost, Welt und Funkuhr über zwei Milliarden Mark umsetzt – droht von den neuen Medien. Und dagegen sei sogar Springer, am deutschen Markt immerhin die Nummer zwei nach Bertelsmann, alles andere als ein Medienriese. Bedroht sei vom Fernsehen und Funk über Kabel und Satellit nicht nur das Anzeigengeschäft der Zeitungen und Zeitschriften, ihre gesamte Existenz stehe in Frage.