In Großbritannien soll der nationale Appell zum Kauf einheimischer Produkte motivieren

Die Porzellanfassung für eine Leuchtröhre, der Zeiteinsteller für einen Gasherd und der Motor für einen Wäschetrockner sind nur einige Stücke einer Ausstellung, die der Verband der britischen Industrie am 14. und 15. April in London veranstaltet. Der suggestive Titel der Schau: "Kannst du es machen?"

Etwa vierzig Großunternehmen, von dem Elektrokonzern Thorn-Emi bis zu dem Glashersteller Pilkington Brothers, präsentieren Bauteile, die sie im Augenblick im Ausland einkaufen. Mehr als viertausend Firmen werden eingeladen, die Produkte unter die Lupe zu nehmen und zu überlegen, ob sie nicht ebenfalls in der Lage sind, diese konkurrenzfähig anzubieten.

Die Ausstellung ist eine konkrete Hilfestellung für die heimische Industrie in der Kampagne buy British, die in der jüngsten Zeit Auftrieb bekommen und die Deutsche Industrie- und Handelskammer in Großbritannien zu dem Zwischenruf foul play veranlaßt hat. Die Kammer ist besorgt darüber, daß die Kampagne "besonders öffentliche Auftraggeber auf Waren und Dienstleistungen britischer Firmen einschwören will und deutsche Firmen damit das Nachsehen haben". Es handele sich hier "ganz klar um eine Beeinträchtigung des freien Warenverkehrs innerhalb der Europäischen Gemeinschaft". Die Aufpasser betätigen denn auch die Alarmglocke: "Eine so exportabhängige Wirtschaft wie die deutsche muß auf diese Entwicklung in einem ihrer wichtigsten Auslandsmärkte besonders empfindlich reagieren."

Großbritannien ist ein vergleichsweise offenes Einfuhrland mit liberalen Praktiken. Es gibt natürlich auch protektionistische Ausrutscher, doch von der Labour Party und den Gewerkschaften abgesehen, weiß man durchaus, daß Protektionismus einem Land mit einem so hohen Exportanteil wie Großbritannien mehr schadet als nutzt. Aber patriotische Kaufappelle sieht die Regierung angesichts von drei Millionen Arbeitslosen als durchaus vertretbar an.

Buy British wird auch vom Industrieverband gefordert. Er mildert allerdings den nationalistischen Slogan mit feinem Gespür für die Wirkung in der Öffentlichkeit. Vorsitzender Sir Raymond Pennock forderte die Mitglieder auf: "Denkt britisch" und kauft "positiv ein".

Erwähnt werden nachahmenswerte Beispiele. So hat es das staatliche Kohleunternehmen geschafft, im letzten Jahr 97,4 Prozent seiner Einkäufe an britische Lieferanten zu vergeben. Käufer und Verkäufer haben zusammengearbeitet in Forschung, Entwicklung und Erprobung, damit schließlich ein Produkt entsteht, welches made in Britain ist und auch auf den Exportmärkten eine Chance hat. Die staatlichen Unternehmen haben einen Ausschuß von leitenden Einkäufern gebildet, die dafür zu sorgen haben, daß die Parole buy British nicht vergessen wird.