Daß die zunehmende Automatisierung das Skifahren nicht unbedingt vereinfacht, erlebte Roland Meixner im Tannheimer Tal. Die Schwierigkeiten, ohne Skispaß dennoch Ski zu laufen, beschreibt er in folgendem Brief an die Redaktion:

Ein familienfreundliches Skigebiet hatten, wir uns ausgesucht und geglaubt, es im Tannheimer Tal (Tirol) gefunden zu haben. Wir, eine Familie mit zwei Kindern, vier und sechs Jahre alt.

Erster Tag. Wir fahren zum Lift in Zöblen. Da wir wissen, daß unsere Kinder schnell ermüden und zuerst ausprobieren wollen, ob die als „Familienhang“ bezeichnete Abfahrt sie nicht überfordert, kaufen wir zunächst einmal Einzelfahrkarten. Die Liftschlange, zuerst noch recht kurz, wächst bald rasch an: Der Grund sind wir mit unserem Einzelkarten. Alle Skifahrer hinter uns haben nämlich Tagespässe, die sie in einen Schlitz stecken, worauf ein Gong ertönt und eine grüne Kontrollampe freien Zugang zum Lift signalisiert. Endlich hat uns der Mann am Skilift bemerkt. Schimpfend gibt er seinen Posten auf und kommt eigens zur Sperre, um unsere Karten zu entwerten. Vier Personen, die nur einmal den Hang hinaufbefördert werden wollen, das ist ihm und seiner Anlage offensichtlich noch nicht vorgekommen. Umständlich entwertet er unsere Karten (derweil die Schlange hinter uns bedrohlich anwächst) und drückt viermal auf den Knopf, der das automatische Drehkreuz weiterbefördert.

Mittags. Wir fahren zur nächsten Piste, ins sechs Kilometer entfernte Grän. Dasselbe Bild: Schlangen von Skiläufern, mit Tageskarten um den Hals, erweisen dem Automaten ihre Reverenz. Sie führen eine kleine Verneigung mit dem Kopf aus, um den in Brusthöhe angebrachten Schlitz zu bedienen. Da es bereits 14.30 Uhr ist, beschließen wir, eine Punktekarte zu kaufen, merken aber bald, daß sie noch teurer ist als Einzelkarten. Nach sieben Fahrten ist unser Block verbraucht, und wir stellen fest, daß sich trotz der späten Stunde für alle Familienmitglieder eine Nachmittagskarte gelohnt hätte. Das System hat Methode: Die Preise für Einzel- und Punktekarten sind so hoch angesetzt – am Lifthäuschen ist keine Preistafel ausgehängt –, daß der automatenfreundliche Skipaß attraktiv erscheint.

Ganz anders ergeht es uns dagegen am nächsten Tag im wenige Kilometer entfernten Oberjoch, das im Allgäu, also auf deutschem Gebiet liegt. Die Liftpreise sind deutlich ausgeschildert. Wir vergleichen und stellen fest, daß die Tageskarte um einiges billiger ist als im benachbarten Tannheimer Tal.

Und dies bei erhöhtem Personalaufwand. Hier sitzt ein freundlicher Mann am Schalter, der uns ausführlich berät, welche Karten für uns am günstigsten sind. Ein zweiter Angestellter kontrolliert, sein Pfeifchen schmauchend, die Liftkarten. Ein dritter hält einem den Bügel hin. Fürwahr eine familienfreundliche, „altmodische“ Liftanlage, der wir allemal den Vorzug geben werden.