Von Monika Putschögl

Er war auf einem Auge blind, und er war Kunstmaler. Er haßte Alkohol, verdammte Nikotin und sprang dafür mit achtzig Jahren noch in seinen Swimming-pool. Er war ein Hagestolz, und er war ein Tüftler. Er baute einen Schubkarren mit viereckigen Rädern und galt als vorzüglicher Koch. Eine Lawine brach ihm achtzig Knochen, und dennoch zertrümmerte er Steine.

Er erfand eine Skibindung, er entwickelte eine neue Art Ski zu laufen, er gab Tausenden Skiunterricht, er schrieb eine Skilehre, er richtete den ersten Torlauf der Skiweltgeschichte aus – schlicht, er war der Vater des alpinen Skilaufs. Er hieß Mathias Zdarsky, lebte von 1856 bis 1940, und er wohnte in Lilienfeld im niederösterreichischen Traisental.

Der Ruhm Zdarskys ist ungebrochen, nicht nur in Lilienfeld, auch in Japan verehrt man ihn als Skipapst. Lilienfelds Ruhm allerdings reicht, was seinen Wert als Tummelplatz für Skienthusiasten betrifft, nicht allzuweit über Niederösterreichs Grenzen hinaus. Das allerdings ist nun beileibe nicht dem armen Mathias anzulasten, denn der rackerte sich redlich und scheute keinen Streit, um Lilienfeld in aller Skifahrermunde zu bringen.

Auch in Niederösterreich hatte den ersten Anfall schwerer Skisucht Fridtjof Nansen mit seiner Grönlandtour auf Brettern ausgelöst. Zdarsky ließ sich per Post aus Norwegen Skier schicken, stellte sich sogleich auf dieselben und versuchte damit Lilienfelds Hänge und Hügel zu bewältigen. Sehr schnell merkte er jedoch, daß er mit den 2;94 Meter langen norwegischen Latten und der sehr lockeren Rohrstaberl-Bindung nicht eben optimal fahren konnte. Denn, so fiel ihm auf, was für Norwegen gut ist, muß nicht auch unbedingt für steile Alpenhänge tauglich sein. Also machte sich Zdarsky von 1891 bis 1896 daran, den alpinen Skilauf zu „erfinden“.

Bereits nach 200 Versuchen war ihm klar, wie die alpine Skibindung auszuschauen habe. 1896 wurde sie unter der Nummer 31 366 im Wiener Patentamt eingetragen.

Zdarskys Metallfeder-Bindung hielt Ski und Schuh fest zusammen, entzweite ihn aber mit den Anhängern der norwegischen Skiheils-Lehre.