Vielleicht sind die beiden Namen nur der Alliteration wegen in den Ausstellungs-Titel geraten: El Greco und Goya. Denn sie markieren Anfang und Ende einer künstlerischen Entwicklung, die im siebzehnten Jahrhundert ihren Höhepunkt hatte – Werke aus diesem goldenen Zeitalter der spanischen Malerei überwiegen denn auch ganz eindeutig. Aber es ist ganz richtig, daß El Greco und Goya als Eckpfeiler figurieren, weil die Ausstellung vier Jahrhunderte spanischer Malerei präsentiert, mit dem „Siglo de Oro“ im Mittelpunkt.

Fast zwei Jahrzehnte lang hat das Münchner Haus der Kunst sich um das Zustandekommen dieser Ausstellung bemüht, immer vergeblich; die Schwierigkeiten, ein solches Vorhaben zu verwirklichen, waren offenbar unüberwindlich. Nun hat ein glücklicher Umstand, die Tatsache nämlich, daß die Museen von München, Wien und Budapest mit wichtigen Teilen ihrer spanischen Bestände zu einem Höflichkeitsbesuch nach Madrid eingeladen waren, das Projekt doch noch ermöglicht. Eben diese von der Spanienreise zurückgekehrten Gemälde sind zu sehen, zusammen mit einer erklecklichen Anzahl von Arbeiten aus dem Prado und anderen spanischen Museen, die, als Gegengabe sozusagen, hinzugekommen sind.

Natürlich hat der Prado in Madrid nur ganz wenige Spitzenstücke ausgeliehen und keines der eigentlichen Hauptwerke von Velazquez oder Goya, die Museen in Toledo und Sevilla ebensowenig solche von El Greco oder Zurbaran. Immerhin ergänzen die ansehnlichen Zugaben aus Spanien die prominenten Beispiele aus den anderen Sammlungen ganz geschickt. Leihgaben aus deutschen Museen, aus österreichischem und Schweizer Privatbesitz kommen hinzu. So ist ein eindrucksvolles Panorama entstanden.

Ein kleines Bild gleich am Eingang, ein „Ecce Homo“ des um 1500 geborenen Luis de Morales, ist zwar nur eine Fußnote zur spanischen Malerei vor El Greco, es gibt aber eine ungefähre Vorstellung vom Zustand dieser Kunst um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts: Morales verarbeitete Einflüsse von außen, flämische und italienische, in einer Weise, die ihn als Empfangenden ausweist.

Das veränderte sich mit der Ankunft des in Venedig, bei Tizian, ausgebildeten und in Rom von der Monumentalität Michelangelos beeindruckten Kreters Domenikos Theotokopoulos, genannt El Greco (1541-1614). Der von 1577 bis zu seinem Tode in Toledo lebende Maler schuf aus der Verbindung seines byzantinischen Erbes – der Ikone, die der irdischen Wirklichkeit entrückt war – mit der weltzugewandten, die Welt in Farbe und Licht abbildenden Kunst des großen Venezianers einen eigenen Stil, der beides enthielt, die Realität und die Transzendenz. Seine „Marienkrönung“ (um 1590) schildert das von den Gläubigen unbezweifelte Ereignis als Tatsache und zugleich als eine dem menschlichen Begreifen entrückte Vision, angesiedelt in einer grandiosen Wolkenlandschaft.

El Grecos Manierismus, seine gelängten Figuren, die in einem schwer definierbaren, nicht nach hinten, eher nach oben sich weitenden Bildraum agieren, seine expressive, gelegentlich schrille Farbigkeit, lassen oft übersehen, wieviel venezianische Sensibilität in dieser Malerei noch steckte. El Greco, der Schüler Tizians, begründete so eine Tradition, die letztlich bis zu Goya führte.

Entscheidend für die spanische Vorliebe, locker, fast impressionistisch zu malen, war allerdings die Wirkung und der Nachruhm eines Künstlers, der sich in gewisser Weise (und völlig zu Recht) als der Erbe des Italieners betrachtet hat: Diego Velazquez (1599-1660). Anfangs beeinflußt vom Naturalismus Caravaggios, wie es seine frühen Genrebilder zeigen, hat Velazquez dann eine Malweise entwickelt, welche die Farbe unabhängig machte vom Gegenstand, den sie beschreibt; er verwandelte auf eine bis dahin – im wörtlichen Sinn – noch nie gesehene Weise die beobachtete Realität in reine Malerei. Seine Bildnisse spanischer Infantinnen, von denen die Ausstellung zwei zeigt, sind verblüffende Belege dafür, wie aus Farbe die Erscheinung eines lebendigen Menschen – als den Repräsentanten seines Standes – entstehen kann: Velazquez bestimmte das Zusammenspiel von Silbergrau und Rosa zum hochadligen Farbakkord schlechthin.