Kaum waren am Dienstag die Konditionen für die neue Bundesanleihe (Nominalzinssatz 9,5 Prozent, zehn Jahre Laufzeit, Ausgabekurs 100,50 Prozent) bekannt, war die Emission auch schon vergriffen. Vor allem die institutionellen Anleger, aber auch Firmen, die bisher ihre Liquidität in Festgeldern bei den Banken geparkt hatten, meldeten sich als Käufer. Selbst aus dem Ausland lagen Kaufofferten vor.

Das deutet darauf hin, daß sich weltweit die Meinung zu festigen beginnt, die Bundesrepublik könne sich jetzt innerhalb gewisser Grenzen von den hektischen Zinsbewegungen in den USA lösen und den Weg der autonomen Zinssenkung fortsetzen. Dazu haben die positiven Prognosen über die Entwicklung der Leistungsbilanz ebenso beigetragen wie Voraussagen auf eine gewisse konjunkturelle Besserung, basierend auf einem steigenden Bestelleingang. Und letztlich war es auch die rasche Einigung im Tarifkonflikt der Metallindustrie, die für eine Stimmungsbesserung am Kapitalmarkt gesorgt hat.

Durch die nach wie vor hohen Arbeitslosenziffern läßt sich niemand irritieren. Sie können erst sinken, wenn sich die Investitionsneigung bessert. Und das braucht noch einige Zeit.

Die Rentenmarktexperten sorgen sich darum, daß die in Gang gekommene Zinssenkung ein zu rasches Tempo annehmen könnte. Denn das hätte einen Rückschlag zur Folge mit allen seinen psychologischen Konsequenzen. Er wird mit Sicherheit dann kommen, falls in den USA die Zinsen wieder nachhaltig steigen und der Dollarkurs folgen sollte.

Auch am Aktienmarkt traten in den vergangenen Tagen wieder Ausländer als Käufer auf. Da gleichzeitig die inländischen institutionellen Gruppen fortfuhren, ihre Aktienportefeuilles anzureichern, wurden in dieser Woche neue Jahreshöchstkurse am Aktienmarkt erreicht. Dabei verläuft die Bewegung differenziert.

Kräftig erholt haben sich die Siemens-Aktien, ungeachtet von Nachrichten, die von zunehmenden Schwierigkeiten in der Abwicklung der brasilianischen Kernkraftwerksaufträge berichten. Ungeachtet auch der neuen Hemmnisse, die der Bundesinnenminister bei der Genehmigung neuer Kernkraftwerke aufgebaut hat.

Nach wie vor gesucht sind Stahl-Aktien. Sie gehören in diesem Jahr bislang zu den absoluten Spitzenreitern. Nach den letzten Kurssteigerungen wird bei ihnen allerdings „die Luft knapp“. Immer mehr Leute gehen dazu über, die inzwischen erzielten kräftigen Kursgewinne zu realisieren. Aber was machen sie mit ihren Erlösen? So lange die Aktientendenz freundlich bleibt, werden sie ihre Gelder über kurz oder lang wieder in den Markt einfließen lassen, so wie dies seit Wochen bei den Papieren der Großchemie geschieht. Täglich gibt es ansehnliche Umsätze in BASF, Bayer und Hoechst. Da sie nicht alle auf ausländische Rechnung gehen, muß es auch inländische Käufer geben.