Der Gründer des deutschsprachigen Querido-Verlages in Amsterdam, Fritz Landshoff

Von Elisabeth Wehrmann

Wissen Sie, ich habe aus dem Überleben einen Beruf gemacht.“ Das sagt Fritz Landshoff mit dem kleinen Lächeln, das wohl dazugehört, will man „berufsmäßig überleben“, aber niemals unbeteiligt sein. Landshoff, einer der großen Verleger des deutschen Exils, verhalf in den zwanziger Jahren den Autoren zu Geltung, die in der Zeit von Weimar die Literatur des „jungen Deutschland“ prägten. Das waren Schriftsteller wie Marieluise Fleißer, Georg Kaiser, Arnold Zweig, Ernst Glaeser, Anna Seghers. Vor allem aber sorgte Landshoff von 1933 bis 1940 mit Phantasie, Mut und viel Geschick dafür, daß das „andere Deutschland“ weiter existieren und publizieren konnte.

Landshoff ist heute Vizepräsident eines amerikanischen Kunstverlags, lebt in New York und in der Nähe von Zandvoort. Er ist um ein Jahr jünger als unser Jahrhundert, Deutscher und Jude – ein großer alter Herr, mit leicht vorgebeugten Schultern. Sein Kopf scheint über alle hinweg zu blicken, und doch Konzentriert er sich jeden Augenblick auf seinen Gesprächspartner. Er ist sehr gegenwärtig – wirkt freundlich ironisch und manchmal unendlich ratlos im Versuch, Erfahrung zu ordnen, das Absurde zu verstehen, die Spannung auszuhalten, an der so viele seiner Freunde und Zeitgenossen zerbrochen sind.

Jugend in Berlin nach der Jahrhundertwende, Weltkrieg und Revolution, Studium in Freiburg, München und Frankfurt, Verlegertätigkeit in Potsdam und Berlin, Exil in den Niederlanden und erneute Verlegertätigkeit als Gründer des Querido Verlags, Internierung in England, Exil in den USA, Rückkehr in die Niederlande: das sind die äußeren Stationen in der Lebensgeschichte von Fritz Landshoff.

Erste Liebe und Eintritt in die USPD

Seine Kindheit war die eines geborgenen Sohnes aus guter Familie: privilegiert war er durch den Wohlstand des Vaters, erzogen wurde er eher von der sensiblen und unkonventionellen Mutter. „A rather sophisticated lady“, so erscheint sie in seiner Erinnerung. Sie vermittelte ihm die Liebe zu Musik und Literatur und dazu ein leichtes Mißtrauen gegen alles Kaufmännische. Er besuchte das humanistische Mommsen-Gymnasium und lernte, griechische und römische Klassiker im Original zu lesen.