DIE ZEIT

Metall-Signal

Alle atmeten auf. So viel Lob haben die Tarifparteien der Metallindustrie selten für einen Tarifabschluß eingeheimst. Und in der Tat: Die Erleichterung in Wirtschaft und Politik ist berechtigt.

Von allen Geistern verlassen

Schade, der Spaß ist vorbei. "Chopper", der Geist mit der Blechstimme, der Schrecken von Neutraubling, ist dorthin heimgekehrt, wo er herstammte: ins Reich der Phantasie.

Widersinnig

Die westlichen Sanktionen gegen Polen haben bisher nur zweierlei bewirkt: Den Polen geht es noch dreckiger als ohnehin (siehe die bewegenden Worte von Andrezej Micewski auf Seite 4), und ihr Land muß sich den Sowjets nun vollends auf Gedeih und Verderb ausliefern (nichts anderes war das Ergebnis von Jaruzelskis jüngster Moskau-Reise).

Verrat? Unrat?

Wer läßt sich schon gerne in seiner Endzeiterwartung bestätigen? Das „Ende der Bundesrepublik“ sah konkret-Chef Manfred Bissinger heraufziehen, weil er die traurige Pflicht auf sich laden mußte, die Chronik der Skandale anzureichern.

Abschüssige Bahn

Die Talfahrt der Sozialdemokratischen Partei dauert an. Die erste Wahl dieses Jahres bestätigt den Trend des vergangenen. In schier unaufhaltsamem Tempo scheint sich die SPD auf einer abschüssigen Strecke zu bewegen, an deren Ende sie der politischen Macht weitgehend ledig wäre – in den meisten Kommunen, in fast allen Ländern und womöglich auch bald schon im Bund.

Zeitspiegel

Die wiederholten Vorstöße – besonders aus der sozialdemokratischen Bundestagsfraktion – gegen Kriegsspielzeug und neuerdings gegen die sogenannten „Killer-Automaten“ haben zu einem ersten Erfolg geführt.

Worte der Woche

„So wie die FDP in der Links-Koalition eine Mitte-Profil braucht, müßte sie in der Mitte-Koalition mit uns ein Links-Profil für den anderen Teil ihrer Gläubigen vorweisen – darauf müssen wir Rücksicht nehmen.

In Bonn sind alle auf alles gefaßt

Das ist das Unheimliche an der Dauerkrise in Bonn: Sie ist nicht zu fassen, aber dennoch existent. Es knallt nirgends, bröckelt aber überall.

Hilfe und Sanktionen

Aus vielen westlichen Ländern und vor allem aus der Bundesrepublik Deutschland gelangt in Form von Spenden und Lebensmittelpäckchen bedeutende Hilfe nach Polen.

Aus Angst vor dem Aufstand

Die polnischen Bischöfe reden den Militärs, aber auch der verbitterten Nation ins Gewissen

Schwer zu überzeugen

Die ungemütlichen Begleiterscheinungen stören Hans-Dietrich Genscher nicht, und sie beirren ihn auch nicht in seiner diplomatischen Maxime, stets als der unverwüstliche Schönwettermacher der deutsch-amerikanischen Beziehungen zu gelten.

"Tornado"-Affäre: Vertuschte Wahrheit

Nun wissen wir es: Kaum war die eierlegende Wollmilchsau zuchtreif, da fehlten ihr mit einem Mal Kopf und Schwanz. Ausgerechnet die Briten hatten es versäumt, ihren so wichtigen Beitrag zum bislang größten Gemeinschaftsprojekt des europäischen Marktes pünktlich abzuliefern.

Die Elite wünscht den Wechsel

Seit 1949 hat sich in der Bundesrepublik ein stabiles Koalitionssystem wechselnder Regierungschancen entwickelt; anders als in Weimar oder in vielen Ländern Europas bis heute.

Wolfgang Ebert: Neue Wagen

Der „Brandt Troika“: Dieser solide, etwas spröde SPD mit der bekannt langen Warmlaufzeit wirkt schon fast wie ein trauter „Oldie“ (Verkaufschancen bei jungen Wählern wegen des Nostalgie-Effekts nicht unterschätzen!), wie sie so nicht mehr gebaut werden.

Wie halten wir’s mit Polen...?

Gleich neben der schwarzrotgoldenen deutschen Freiheitsflagge wehten die weißroten Farben Polens. Hoch von den Zinnen des Hambacher Schlosses leuchteten sie weit hinein ins Pfälzer Land.

Wahlsieger: CDU, Grüne

Die SPD (1978: 40,5 Prozent) kam nur auf 34,6 Prozent. Vor allem in den Hamburger Randgemeinden mußte sie große Verluste hinnehmen.

Ägypten: Das Ende einer Tragödie

Als „das Ende einer Tragödie“ und die Zurückweisung des „blutigen Terrorismus, der sich hinter religiösen Parolen versteckt“, begrüßte die halbamtliche Presse die Urteile des Obersten Militärgerichtshofes.

FDP: Höchst illiberal

Die Berliner FDP macht mit ihrem innerparteilichen Gemetzel fröhlich weiter, so als wolle sie sich endgültig aus der Parteienlandschaft in Berlin herauskatapultieren.

KSZE: Denkpause

Im Palacio de Congresos endete am vergangenen Montag ein Konflikt, den ironische Beobachter als einen „Dialog von Taubstummen“ bezeichnet haben.

Wieviele sind wir eigentlich?

Die meisten Parteitage sind langweilig und haben ihre spannendste Phase schon lange hinter sich, wenn sie endlich anfangen. Bonner Politiker und Beobachter, hinlänglich parteitagserfahren, werden der Feststellung kaum widersprechen.

Cryptologisches Lexikon

Code bezeichnet als Fachwort eine Liste aus Wörtern oder kurzen Sätzen, die im Gegensatz zur Chiffre als Ganzes durch Symbole oder Symbolgruppen der Geheimschrift ersetzt (codiert) werden.

Französische Provinz: Wo die Uhren anders gehen

Agen, im März Im Gemeindesaal von Sérignac hängen die bunten Papiergirlanden vom letzten Ball noch von der Decke. Etwa hundert Leute haben sich zu später Stunde versammelt, zumeist Bauern mit gegerbten Gesichtern, die den rollenden Akzent des Südwestens sprechen und nicht selten in eine sanfte Knoblauchwolke gehüllt sind.

Nordkorea: Weitab von aller Welt

Durch das Land der Morgenstille tönen die Lautsprecher, auf den Baustellen, durch die Straßen, in den Betrieben, von morgens früh bis tief in die Nacht.

Ein diskreter Diener

Er besitzt zwei Fräcke, vier Smokings und zwanzig schwarze Anzüge – alles vom Besten. Obwohl Äußerliches eine große Rolle in seinem Leben spielt, besteht seine Hauptaufgabe darin, durch Unauffälligkeiten zu glänzen.

Hinweise

Es gehört mittlerweile fast schon zum guten Ton, darüber zu klagen, daß hinter den politisehen, ideologischen und organisatorischen Aspekten der Arbeiterbewegung die Geschichte der Arbeiter selbst zu kurz gekommen ist.

Völkermord: Gejagt, geschunden und vernichtet

Es gibt Bücher, die sind – wie Franz Kafka es formulierte – die Axt für das gefrorene Meer in uns; zu ihnen gehört Franz Werfels Roman „Die vierzig Tage des Musa Dagh“, mit dem der Dichter das „unfaßbare Schicksal des armenischen Volkes dem Totenreich alles Geschehen zu entreißen“ suchte.

Selbst wenn es weh tut

Der führenden französischen Tageszeitung war das Ereignis einen Aufmacher auf der ersten Seite wert: Le Monde berichtete ausführlich über den Tarifabschluß in der deutschen Metallindustrie, eine Übereinkunft, wie sie in Frankreich kaum denkbar sei.

Zuviel Öl macht schwach

An Wien haben die dreizehn Ölminister der Opec keine guten Erinnerungen. Im Dezember 1975 überfielen Terroristen die Delegierten und entführten elf Minister.

Bonner Kulisse

In Kiel, auf der Howaldt-Werft, wird unverdrossen gehämmert und geschweißt. Aller Fleiß gilt zwei U-Booten für Chile, deren Bau und Lieferung der dafür zuständige Bundessicherheitsrat, ein Gremium der Bundesregierung, gebilligt hat.

Reinheitsgebot: Bier-Alarm

Die Situation, um mit Konrad Adenauer zu sprechen, ist da. Die Brüsseler EG-Kommission hat die Bundesregierung aufgefordert, den deutschen Biermarkt für die Konkurrenz aus den übrigen EG-Ländern zu öffnen.

Beamtenbesoldung: Krauses Meisterstück

Spätestens seit vergangenen Montag sollte niemand mehr fragen, aus welchen dunklen Quellen der verbreitete öffentliche Groll gegen die Beamtenschaft genährt werde – allenfalls zu einem kleinen Teil aus alten Vorurteilen über jene vermeintliche Ansammlung von Faulpelzen, die öffentlicher Dienst genannt wird; auch nicht überwiegend aus Verbitterung über jenes Machtkartell ehemaliger Beamter in den Parlamenten des Bundes und der Länder, das für seine Klientel sorgt; ganz entscheidend hingegen von der zwar nicht größten, aber doch hingegen testen berufsständischen Organisation der Beamtenschaft, dem Deutschen Beamtenbund (DBB).

Mikroelektronik: Die Zeit drängt

Das japanische Beispiel macht Schule: In Fernost haben die Hersteller von Mikroelektronik gezeigt, daß eine Zusammenarbeit mehrerer Unternehmen schnell zu verwertbaren Ergebnissen führt.

Eigenkapital: Zuschüsse für Aktionäre

Die Banken schlagen Alarm. Die deutschen Unternehmen verfügen über zuwenig Eigenkapital. Wegen des Zwangs, hohe Fremdmittel teuer zu verzinsen, müssen immer mehr Betriebe den traurigen Gang zum Konkursrichter antreten.

Qualitative Forderungen gewinnen an Bedeutung

Hohe Arbeitslosigkeit, steigende Inflationsraten und eine Wirtschaft, die in diesem Jahrzehnt einen tiefgreifenden Strukturwandel bewältigen muß – das alles erfordert auch ein Umdenken in der Tarifpolitik.

Wettbewerb: Denke britisch und kaufe britisch

Die Porzellanfassung für eine Leuchtröhre, der Zeiteinsteller für einen Gasherd und der Motor für einen Wäschetrockner sind nur einige Stücke einer Ausstellung, die der Verband der britischen Industrie am 14.

Europäisches Währungssystem: Wünsche mit Widerhaken

Wenn im Zentralbankrat die Sorge umgeht, das Europäische Währungssystem (EWS) könnte in diesen Tagen zu Lasten der Bundesrepublik verändert werden, dann gibt es nur eine Erklärung dafür: Einige der für die Stabilität der Mark verantwortlichen Experten fürchten, die Bundesregierung könnte sich aus außenpolitischen Rücksichten französischen Wünschen gegenüber nachgiebiger zeigen, als es im Interesse unserer Wirtschaft geboten wäre.

Europäische Stahlindustrie: Tristesse nur als Fassade

Das corpus delicti ist eine Photokopie aus einer deutschen Wirtschaftszeitschrift. Da wird mit zwei Bildern ein Kontrastprogramm dargestellt, das den Managern des belgischen Stahlkonzerns Cockerill-Sambre in höchstem Maße unzutreffend erscheint: Neben einem nach Jahrhundertwende riechenden Bild aus der belgischen Stahlindustrie sieht man eine supermoderne Anlage in Deutschland.

Ehrenbergs Zumutung

Bonns Sozialminister Herbert Ehrenberg jedenfalls fällt eher durch extreme Unauffälligkeit auf – niemand sah ihn in diesen Tagen mit Nachdruck und öffentlich eine sozialpolitische Neuerung vertreten, die fürwahr bemerkenswert ist: Die Arbeitsämter wollen den Drückebergern ans Fell, Arbeitslosen sollen künftig auch solche Jobs zugemutet werden, die nicht nach ihrem gusto sind.

Zeitraffer

Bei der Preisentwicklung zeichnet sich endlich eine Pause ab – der Anstieg hat sich nach ersten Hochrechnungen des Statistischen Bundesamtes deutlich abgeflacht: Im Februar verteuerte sich der Warenkorb um 5,8 Prozent, im Januar waren es noch 6,3.

Verluste zwingen uns

Schram: Einen glücklichen Zeitpunkt für Preiserhöhungen, die viele Verbraucher betreffen, gibt es nicht. Die Entscheidung zur Erhöhung unserer Benzinpreise wurde ausgelöst durch den drastischen Anstieg der Verluste im Mineralölgeschäft, der auf dem starken Bedarfsrückgang und dem Verfall der Erlöse beruht.

Industrie in der Flaute

Minuszeichen mußten letztes Jahr fast alle Branchen der deutschen Industrie schreiben. Die flaue Binnenkonjunktur prägte das Bild.

Autokauf: Für Amateure jetzt schwieriger

Die Volkswagen- und Audi-Händler trafen sich in der vorigen Woche noch in aller Stille, um für mehr Preisdisziplin in den eigenen Reihen zu sorgen – der Zentralverband des Kraftfahrzeuggewerbes geht in dieser Woche mit seiner Aktion „zur Wahrung des lauteren Wettbewerbs“ direkt an die Öffentlichkeit.

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