Von Erika Martens

ZEIT: Herr Kluncker, Ende dieser Woche beginnen die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst. Neben der eigentlichen Lohn- und Gehaltsforderung spielt dabei vor allem auch die umstrittene Zulagenkürzung eine Rolle. Wie sehen Sie den Zusammenhang-zwischen diesen beiden Elementen?

Kluncker: Wir haben durchgesetzt, daß die Arbeitgeber die Zulage nicht – wie zunächst beabsichtigt – ab 1. Januar oder ab 1. März gekürzt haben. Jetzt wollen sie die Anrechnung im Zuge der Tarifverhandlungen. Wir aber haben stets gesagt, eine Anrechnung kommt nicht in Frage. Wir werden auch jetzt nicht über Kürzungen verhandeln. Verhandeln kann man mit uns nur über die Zuwachsrate der Einkommenssteigerung.

ZEIT: Ihre Mitglieder hören sicher gern, daß Sie nicht über Kürzungen reden wollen. Aber im Grunde sollen Sie doch nicht über Kürzungen, sondern über eine saldierte Größe reden.

Kluncker: Wir reden nicht über Saldo, wir reden über Tarifsätze. Es gibt keinen Tarifvertrag per Saldo.

ZEIT: Würden Sie anders reagieren, wenn die Arbeitgeber die ÖTV aufgefordert hätten, ein Prozent unter dem Durchschnitt der gewerblichen Wirtschaft abzuschließen?

Kluncker: Ich habe von Anfang an signalisiert, daß wir nicht glauben, 1982 werde ein Jahr der Verteilung zugunsten der Arbeitnehmer. Und ich habe signalisiert, daß wir die gesamtwirtschaftliche Lage, die ökonomischen und finanzwirtschaftlichen Rahmenbedingungen bei den Tarifverhandlungen berücksichtigen werden. Allerdings setzen wir auch voraus, daß die öffentlichen Arbeitgeber nicht einfach per ordre de mufti Zulagen kürzen, sondern mit uns über die soziale Lage der Betroffenen reden.