Als erste Banken haben die Vereins- und Westbank in Hamburg und die Hamburgische Landesbank testierte Abschlüsse für 1981 vorgelegt. Beide Institute glänzen trotz des schwierigen Umfelds mit Ergebnissteigerungen, die nahe an 50 Prozent herangehen.

Die Qualität der Bankbilanzen für 1981 ist erst in zweiter Linie nach der Höhe der ausgewiesenen Gewinne zu bemessen. Wichtiger ist, was das einzelne Institut aus ihrem Jahresergebnis für die Risikovorsorge tun konnte. Gründe für erhöhte Rückstellungen gibt es für alle Institute genug: Rekordpleitewelle im Inland, die ständigen Hilfestellungen für AEG/Telefunken und die gewachsenen Risiken im Auslandsgeschäft, vor allem die ungesicherten Polenkredite.

Dort, wo die laufenden Erträge nicht ausgereicht haben, um daraus wenigstens ein Mindestmaß an Vorsorge betreiben zu können, haben Banken stille Reserven mobilisiert, indem sie entweder wertvolle Industriebeteiligungen abstießen oder sie in sogenannte Vorschaltgesellschaften zum aktuellen Wert einbrachten. Die Differenz zwischen niedrigem Buchwert und dem „Verkaufs“-Erlös stand dann zum Ergebnis auf Besserung zur Verfügung. Diese Methode ist zulässig, zehrt indessen – genau wie ein ehrlicher Verkauf an Dritte – an der Substanz, ein Umstand, der bei der Bewertung börsennotierter Bankaktien künftig zu berücksichtigen sein wird.

Die Vereins- und Westbank in Hamburg, an der die Bayerische Vereinsbank in München mit mehr als 25 Prozent beteiligt ist, hatte solche Manipulationen nicht nötig. Sie hat es geschafft, bei einem Bilanzwachstum um „nur“ sechs Prozent auf 9,3 Milliarden Mark, bei einem Anstieg des Geschäftsvolumens um ebenfalls sechs Prozent auf 10,6 Milliarden und einer Ausweitung des Kreditvolumens um bescheidene 2,2 Prozent auf 6,8 Milliarden, ein um 49 Prozent höheres Betriebsergebnis zu erwirtschaften. „Das beste, das wir je hatten“, kommentierte Hans Joachim Bechtolf, Vorstandsmitglied, mit berechtigtem Stolz. Daß dies im übrigen kein Zufallsergebnis war, zeigt das Plus des Jahres 1980 von immerhin 28 Prozent, einem Jahr, in dem die Commerzbank ihre Dividende ausfallen und die Dresdner Bank sie senken mußte.

Wer erwartet hatte, die Aktionäre würden mit einer höheren Ausschüttung an dem guten Ergebnis beteiligt wenden, sieht sich getäuscht. Hatten sie im vergangenen Jahr zur Dividende von neun Mark noch einen Jubiläumsbonus von einer Mark erhalten, bekommen sie für 1981 nur „nackte“ neun Mark. Damit haben sich jene Vorstandsmitglieder durchgesetzt, die in diesem Jahr möglichst jede Mark im Hause zur Sicherung gegen mögliche Risiken behalten möchten. Dazu Bechtolf: „Eine Dividendenerhöhung wird es erst dann geben, wenn wir eine Reihe guter Jahre vor uns sehen!“ Dies ist sicherlich ein Punkt, über den es sich auf der kommenden Hauptversammlung zu diskutieren lohnt.

Die Vereins- und Weltbank hatte es in den letzten Jahren verstanden, sich von größeren Verlustquellen weitgehend fernzuhalten. Es ist also nicht die Erfahrung des gebrannten Kindes, die dazu geführt hat, daß die Mehreinnahmen des Jahres 1981 nicht als Gewinn verbucht worden sind.

Das Institut trägt nicht einmal an der Last von AEG/Telefunken mit. Als es um Aufnahme in das Firmenkonsortium bat, wollte man die größte norddeutsche Regionalbank nicht haben, später hat sich der Vorstand nicht mehr nach einer Beteiligung gedrängt. Ungesicherte Polenkredite bestehen in einer „kleinen zweistelligen Millionenzahl“. Sie wurden in einer Weise wertberichtigt, die nicht mehr zu übertreffen ist, obwohl Polen gegenüber der Bank mit seinen 1981er Zinsen nicht mehr im Rückstand ist. Auch gegenüber anderen Ostblockländern bestehen zur Zeit keine Zinsforderungen.