Von Eva Marie von Münch

Bei der Scheidung profitieren doch immer nur die Frauen!“ Dieser Satz, den mir ein Hamburger Taxifahrer kürzlich mit auf den Weg gab, dürfte ziemlich genau der Meinung der meisten Bundesbürger entsprechen. Daß dies keineswegs immer der Realität entspricht, zeigt eine ganze Reihe von neueren Urteilen. Immer häufiger sind es heute die Männer, die sich darauf verstehen, nach der Heirat mit einer gut verdienenden Frau kräftig abzusahnen. Richter helfen ihnen dabei.

Schon vor zwei Jahren hat der Bundesgerichtshof eine Sekretärin verpflichtet, ihrem geschiedenen Mann eine Zweitausbildung zum Diplompsychologen zu bezahlen (IV ZR 171/78). Zwar hätte der Mann, der gelernter Kaufmann war, ohne weiteres in seinem alten Beruf arbeiten können. Doch war er dazu nach Meinung der Richter nicht verpflichtet, weil dieser Beruf – gemessen an den „ehelichen Lebensverhältnissen“ – nun für ihn nicht mehr „angemessen“ war. Denn: „Der soziale Zuschnitt der ehelichen Lebensgemeinschaft“ war darauf ausgerichtet, den Mann „aus dem Beruf des kaufmännischen Angestellten herauszuführen und ihm eine akademische Ausbildung und zukünftige Betätigung als Psychologe zu ermöglichen“. An diesen gemeinsamen Lebensplan muß sich die (akademisch nicht gebildete) Sekretärin auch nach der Scheidung halten. Daß sie früher einmal erwartet hatte, der Mann werde seine von ihr bezahlte Zweit-Ausbildung „dereinst für die eheliche Lebensgemeinschaft auch wirtschaftlich nutzbar machen“, soll dabei keine Rolle spielen. Auch daß sie selbst nicht studiert hatte, machte den Richtern kein Kopfzerbrechen. Lediglich die Bafög-Zahlungen muß er sich anrechnen lassen und auch das nur, wenn sie nicht als Darlehen gewährt werden.

Kein Einzelfall, wie eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Saarbrücken zeigt (6 UF 138/80): Eine Kinderkrankenschwester, die mit einem fünf Jahre älteren Jurastudenten verheiratet war, bezahlte von ihrem Einkommen jahrelang den gemeinsamen Haushalt, der Mann studierte. Kurz vor dem Examen wurde er krank und mußte sein Studium abbrechen. Wegen psychischer Störungen kam er ins Krankenhaus, später machte er eine Kur: erfolglos. Daraufhin trennte sich die Krankenschwester von ihm und legte sich einen neuen, vom Mann unabhängigen Lebensplan zurecht. Sie beschloß, Lehrerin zu werden, gab ihre Stelle auf und bereitete sich auf die Eignungsprüfung für das Studium an einer Pädagogischen Hochschule vor. Nebenher verdiente sie das Nötigste für ihren Lebensunterhalt – mal als Aushilfe in einem Café, mal als Haushälterin und Kinderpflegerin. Für den Mann blieb nichts übrig. Prompt verfolgte er sie mit Unterhaltsansprüchen. Vor Gericht trug er vor: Da er wegen seiner Krankheit nicht arbeitsfähig sei, habe die Frau ihren Beruf nicht einfach aufgeben dürfen, jedenfalls müsse sie ihm weiter mindestens 680 Mark Unterhalt im Monat zahlen.

Die angehende Lehrerin hatte Glück: Das Oberlandesgericht Saarbrücken attestierte ihr das Recht, nach der gescheiterten Ehe ihre eigene „berufliche Aufstiegschance wahrzunehmen“. Die „aus der Ehe folgende Solidaritätspflicht“ gegenüber ihrem Mann bestehe zwar grundsätzlich fort, sei aber eingeschränkt durch ihr Recht, „sich beruflich frei zu entfalten und sich ihren Fähigkeiten entsprechend voll zu verwirklichen“. Solange sie studiert, wird sie daher keinen Unterhalt zahlen müssen.

Aus dem Schneider ist sie dennoch nicht. Das Gericht begründet seine Entscheidung nämlich mit der Bemerkung, der „derzeitige Unterhaltsausfall des Mannes“ werde. durch den „voraussichtlich höheren Anspruch kompensiert werden“, den er später bei der Aufnahme ihrer Berufstätigkeit anmelden könne. Zu deutsch: Sobald, die Frau ein Lehrerinnen-Gehalt bezieht, wird sie wieder zahlen müssen, „und zwar mehr als 680 Mark im Monat.

Einen dritten, besonders illustrativen Fall hat kürzlich wieder der Bundesgerichtshof entschieden (IV b ZR 544/80). Eine Zahnärztin hatte noch während ihrer Ausbildung einen Berufsoffizier geheiratet. Bald nach der Hochzeit machte sie eine, eigene Praxis auf. Offenbar haben die Kontoauszüge seiner Frau den Offizier sehr beeindruckt. Jedenfalls beschloß er, ebenfalls Zahnarzt zu werden. Die Frau war damit einverstanden. Also quittierte er den Dienst und begann zu studieren. Die Zahnärztin unterstützte ihn mit monatlich 2000 Mark.