Die ersten, noch nicht endgültigen Eindrücke vom 52. Genfer Auto-Salon wollen wir unseren Lesern nicht vorenthalten:

Der „Brandt Troika“: Dieser solide, etwas spröde SPD mit der bekannt langen Warmlaufzeit wirkt schon fast wie ein trauter „Oldie“ (Verkaufschancen bei jungen Wählern wegen des Nostalgie-Effekts nicht unterschätzen!), wie sie so nicht mehr gebaut werden. Gradlinig ohne Zierat. Kommt im Ausland trotz inzwischen etwas ausgeleiertem Entspannungsseil besser an als im Inland, wo manche potentielle Kunden nicht recht wissen, wohin die Reise geht.

Der „Kohl-Gigant“: Das brave, immer gern gebrauchte Mittelklassen-Modell mit dem obligaten Hochverdeck, ein Wagen für die ganze Familie und als Landrover, auch für Landpartien geeignet. Obwohl der Lack ab ist, wird er von CDU (wohl zum letzten Mal) auf den Markt geworfen, auch wenn seine Fahreigenschaften in holperigem Gelände ungetestet sind. Auf Wunsch auch mit Vorwärtsgang lieferbar. Exportchancen mäßig.

Der „Schmidt-Kapitän“: Trotz unübersehbarer Verschleißerscheinungen bleibt SPD bei diesem bewährten Spitzenprodukt, weil ihr gleichwertiger Ersatz fehlt. Der „Schmidt-Kapitän“ hat Bremsprobleme bei der Talfahrt, läuft in Gefahr, Anhänger zu verlieren und auf der Strecke zu bleiben.

Der „Strauß 84“: Dieser bullige, robuste Kompaktwagen-Typ der BayerischenAutowerke mit den starken Nebengeräuschen ist ein unberechenbarer Geländewagen mit vielen PS, bei dem gelegentlich die: Steuerung versagt. Wegen unbehebbarer Konstruktionsfehler (Schleudergefahr in Kurven) ist der „Strauß 84“ nicht unfallsicher (Vollkasko!). Außerdem Energievergeuder. Trotzdem räumt ihm CSU im Norden noch immer gewisse Exportchancen ein. Der„Lambsdorff/Matthöfer-Taxido“: Nach seinem jüngstenUnfall – Stoppschild überfahren – könnte dieser Wagen trotz seiner bestechenden Qualitäten zu einem Verkehrshindernis werden, weil es wohl an der Wartung fehlte. Es besteht auch Koalitionsbruchstellengefahr, was Experten auf illegal eingebaute Zubehörteile – sogenanntes Flickwerk – zurückführen.

Der „Kiep 911“: Flottes, sportlidies Cabrio, dieser Allzweckwagen CDU, die ihn immer dorthin fahren läßt, wo er gerade nicht gebraucht wird. In seiner Luxus-Ausführung keine Antwort auf VW-Käfer. Von Fachleuten als etwas „windig“ eingestuft, leistete er sich früher manchmal kleine Eskapaden, ist aber inzwischen für seine Firma optimal lenkbar geworden.

Der „Stoltenberg-Wiking“: Das beständige Traditionsmodell von CDU für den konservativen Geschmack mit erhöhten Absatzchancen im Raum Bonn, auch wenn sich manche an der Kühler-Figur stoßen. Die deutsche Version eines Rolls-Royce, wie ihn Wolfsburg gebaut hätte. Sparsam im Gebrauch. Typischer Garagenwagen: immer fahrbereit, aber mit blockierten Rädern.Der „Genscher-Zampano“: Bei FDP ist man sich nicht sicher, ob dieser allzu wendige Wagen in der neuen Version mit dem verstärkten Wankel-Motor bessere Verkaufschancen hat, zumal er mit seinen laut scheppernden Kotflügeln auseinanderzufliegen droht, was wohl auch mit seiner hohen Drehzahl zu tun hat. Der „Genscher-Zampano“ ist nach allen Seiten zu offen; wegen der trüben Aussicht in Hessen müßten Scheibenwischer ausgewechselt werden. Neigt zu Blechschäden.