Von Eugen Loderer

Hohe Arbeitslosigkeit, steigende Inflationsraten und eine Wirtschaft, die in diesem Jahrzehnt einen tiefgreifenden Strukturwandel bewältigen muß – das alles erfordert auch ein Umdenken in der Tarifpolitik. Wie stellen sich die Arbeitnehmerorganisationen auf die veränderten Rahmenbedingungen ein? Die ZEIT hat einige Gewerkschaftsvorsitzende gebeten, ihr tarifpolitisches Konzept für dieses Jahrzehnt zu skizzieren. Nach Hermann Brandt (DAG) und Berthold Keller (Gewerkschaft Textil) schreibt diesmal Eugen Loderer, Vorsitzender der IG Metall.

Die Tarifpolitik der 80er Jahre ist durch drei Fakten gekennzeichnet: Beschäftigungskrise, verstärkter Widerstand der Arbeitgeber gegen tarifliche Verbesserungen und abnehmende Reformbereitschaft des Staates.

Die Zuspitzung der Beschäftigungskrise mit einer aktuellen Arbeislosenzahl um die Zwei-Millionen-Grenze stellt zusätzliche Anforderungen an die gewerkschaftliche Tarifpolitik. Deshalb ist schon in der Vergangenheit neben prozentualen Einkommensverbesserungen die Bedeutung „qualitativer“ Forderungen (Einkommensstruktur, Arbeitsbedingungen, Arbeitszeit) gestiegen. Das hat sich auch in der tarifpolitischen Willensbildung, in den programmatischen Beschlüssen des letzten Gewerkschaftstags der IG Metall niedergeschlagen und schon seit Mitte der siebziger Jahre zunehmend die tarifpolitische Praxis der IG Metall geprägt.

Es ist davon auszugehen, daß sich die Lohnpolitik der achtziger Jahre vor allem auf den Kampf um den Preissteigerungsausgleich konzentriert, daß darüber hinaus der Kampf um bessere Arbeitsbedingungen und kürzere Arbeitszeit auch aus beschäftigungspolitischen Gründen an Bedeutung gewinnt.

Durch den wachsenden Widerstand haben sich die Durchsetzungsbedingungen für gewerkschaftliche Tarifpolitik in den letzten Jahren erheblich verschlechtert. Auf der einen Seite werden akzeptable Kompromisse allein auf dem Verhandlungswege immer schwieriger. Auf der anderen Seite sind dem Mittel des gewerkschaftlichen Arbeitskampfes aus organisationspolitischer Sicht unübersehbare Grenzen gesetzt. Deswegen hat sich die IG Metall schon in der Vergangenheit erfolgreich darum bemüht, die herkömmlichen gewerkschaftlichen Handlungsmöglichkeiten zu verbessern und zu ergänzen. Die wichtigsten Beispiele hierfür sind der Kampf gegen die Aussperrung und die Entwicklung neuer Aktionsformen unterhalb der Schwelle des gewerkschaftlichen Flächenstreiks („Neue Beweglichkeit“).

Aus der abnehmenden staatlichen Reformbereitschaft ergibt sich schließlich eine doppelte Konsequenz: