Wer läßt sich schon gerne in seiner Endzeiterwartung bestätigen? Das „Ende der Bundesrepublik“ sah konkret-Chef Manfred Bissinger heraufziehen, weil er die traurige Pflicht auf sich laden mußte, die Chronik der Skandale anzureichern. Doch es steht noch schlimmer um dieses Land, als ihm die Sorge eingab: Über die „unglaublichen Geschichten“ des Ministerialdirigenten Hans Langemann empörte sich niemand so, wie es sich laut Bissinger gehört hätte.

Keine Neuauflage der Spiegel-Affäre, danach waren die Umstände nicht. Ein Ex-Agentenführer mit literarischem Ehrgeiz will einen Schlüsselroman über den Bundesnachrichtendienst schreiben. Er ist verletzt und böse, als sein opus magnum von allen Verlagen abgelehnt wird. Seinem Zorn macht er auf Tonband Luft – und gibt sich empört, als seine Bekenntnisse plötzlich in einer linken Postille („diesem Schmierblatt“) landen. Die Karriere ist damit zu Ende: Die Leichen im Keller des BND kommen für die Literatur nicht mehr in Frage; und als höchster bayerischer Verfassungsschützer hat sich Langemann unmöglich gemacht – eine zwielichtige Figur auf verantwortungsvollem Posten.

Auch Bissinger ist enttäuscht. Gerne hätte er seine dritte publizistische Karriere mit einer Sensationsstory gestartet. Der Literat Langemann aber war das untaugliche Objekt. Wo konkret Verrat schrie, witterte das Publikum bloß Unrat.

G. S.