Von 1979 bis 1981 war ein junger Wissenschaftler der Universität Mannheim, nennen wir ihn Reinhardt O., an einem Sonderforschungsprojekt des Lehrstuhls Psychologie III beschäftigt. Im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten Projektes half er den psychologischen Zusammenhang von „Drohen und Versprechen“ zu erforschen. 1980, also im zweiten Jahr des Projektes, fand der Projektleiter, Professor Theo Hermann, das Thema sei nicht ergiebig genug, stellte die Arbeiten ein und beantragte bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft Gelder, um ein neues Projekt zu finanzieren.

Jetzt sollen die „Sozialen Determinanten des Berichtens“ untersucht werden. Die Forschungsgemeinschaft hielt auch diese Arbeit für unterstützenswert. Theo Hermann ging auf die Suche nach neuen Mitarbeitern und fand zwei Gießener Wissenschaftler, die sich bereit erklärten, Mitte 1982 nach Mannheim zu kommen.

Nun tat aber Reinhardt O. etwas Ungewöhnliches, etwas, nach Meinung von Theo Hermann, bis dato noch nicht Vorgekommenes: Er ging vor Gericht und klagte, um weiterbeschäftigt zu werden. Denn „Soziale Determinanten des Berichtens“ sei, davon ist er fest überzeugt, das gleiche Projekt wie „Drohen und Versprechen“.

Das Mannheimer Arbeitsgericht gab ihm letzte Woche recht. Er muß rückwirkend vom 1. Januar 1982 an weiterbeschäftigt werden, was zu einer Gefährdung des gesamten Forschungsprojektes führt. Denn Geld gibt es nur für zwei Assistenten, und die beiden Gießener kommen nur zusammen nach Mannheim.

Wirklich skandalös aber ist etwas anderes: Das Arbeitsgericht hielt es nicht einmal für nötig, Theo Hermann oder irgendeinen anderen Wissenschaftler zu fragen, ob und in welcher Weise sich die beiden Projekte voneinander unterscheiden. Richter maßen sich wissenschaftliche Urteile an in einer Weise, die man nicht hinnehmen kann.

Andererseits: In einer Zeit, da junge Wissenschaftler oft völlig ohne berufliche Perspektive die Universität verlassen müssen – „Wegwerfwissenschaftler“ nennen sie sich selbst –, wundert es uns nicht, daß jemand wie Reinhardt O. mit allen nur erdenklichen Mitteln an dem bißchen Arbeit festhält, das er hat.

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