Die westlichen Sanktionen gegen Polen haben bisher nur zweierlei bewirkt: Den Polen geht es noch dreckiger als ohnehin (siehe die bewegenden Worte von Andrezej Micewski auf Seite 4), und ihr Land muß sich den Sowjets nun vollends auf Gedeih und Verderb ausliefern (nichts anderes war das Ergebnis von Jaruzelskis jüngster Moskau-Reise). Beides ist der reine Widersinn.

Eine vernünftige westliche Politik müßte sich genau die entgegengesetzten Ziele setzen. Sie müßte darauf hinzielen, daß es den Polen besser geht – denn ohne eine Überwindung des wirtschaftlichen Elends ist ein Ende der politischen Misere nicht zu erwarten. Und sie müßte sich vornehmen, Polen nicht abermals in die Planungsgewalt der Sowjetherrscher zurückzustostoßen, sondern ihnen ihren bescheidenen nationalen Handlungsspielraum zu erhalten. Was hilft es, wenn wir den Polen Päckchen schicken (35 000 täglich aus der Bundesrepublik seit dem Erlaß der Postgebühren), ihre Industrie jedoch zum Erliegen kommt? Und was nützt alles westliche Pochen auf Öffnung des Ostens, wenn unsere praktische Politik bloß Abschließung bewirkt?

Am natürlichsten wäre immer noch eine gemeinsame ost-westliche Rettungsaktion für Polen: eine Art von blockübergreifendem Marshallplan. Aber seit der Verhängung des Kriegsrechts gilt das Natürliche nicht als machbar, deswegen wird es gar nicht erst versucht. Niemanden scheint es zu stören, daß das, was gemacht wird, widersinnig ist. Th. S.