Gleich neben der schwarzrotgoldenen deutschen Freiheitsflagge wehten die weißroten Farben Polens. Hoch von den Zinnen des Hambacher Schlosses leuchteten sie weit hinein ins Pfälzer Land. Polnische Emigranten hielten Reden an die 30 000 Demonstranten und wurden, wo immer sie auftraten, umjubelt. So geschehen am 27. Mai 1832 beim Hambacher Fest der deutschen Nationalbewegung.

Ganz anders soll es bei der 150-Jahr-Feier in diesem Mai zugehen, jedenfalls auf jener Kundgebung, zu der rheinlandpfälzische „Friedensinitiativen“ aufgerufen haben. Sie weigern sich, einen Vertreter der verbotenen polnischen Gewerkschaft Solidarnosc sprechen zu lassen.

So viel Enthaltsamkeit erschien einigen Mitunterzeichnern des Aufrufs doch wohl zu: ungeschichtlich und unwürdig. Drei Vertreter der „Grünen“ und Josef Leinen vom Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz zogen ihre Unterschriften zurück. Die „Grünen“ und der BBU hoffen nun, daß das Vorbereitungskomitee darüber nachdenkt, „ob wir 1982 den Polen in unserem Lande nicht dieselbe Gastfreundschaft und Solidarität entgegenbringen können, die 1832 im deutschen Vormärz, selbst unter der Herrschaft der Metternichschen Feudalordnung vorübergehend möglich war“.

Der Streit setzt jene Auseinandersetzungen fort, die schon vor Wochen in der Friedensbewegung ausgebrochen waren: Wie halten wir’s mit Polen? kj.