Die meisten Parteitage sind langweilig und haben ihre spannendste Phase schon lange hinter sich, wenn sie endlich anfangen. Bonner Politiker und Beobachter, hinlänglich parteitagserfahren, werden der Feststellung kaum widersprechen.

Der Münchner Parteitag der SPD vom 19. bis 23. April hält jedenfalls schon jetzt die Sozialdemokraten unter Spannung. Alles nach alten Muster: Vergangene Woche wählte die SPD-Fraktion ihre Delegierten – gegen die Linken –; am Wochenende versammelten sich in Bonn siebzig Delegierte, die der Linken zugeordnet werden, und probten den Parteitags-Aufstand – gegen die Nicht-Linken; dazu bewegt die Frage die Gemüter, ob Erhard Eppler, Galionsfigur der Linken, wieder ins Parteipräsidium einzieht.

Der Partei vorstand will, so hört man, den Fehdehandschuh der Linken aufnehmen und möglicherweise die Debatte über den Zank- und Spaltapfel Doppelbeschluß schon in München „zu Ende führen“, also sich und dem Publikum den für Herbst 1983 vorgesehenen Sonderparteitag ersparen. Die große Kraftprobe, auf die alles hinzulaufen scheint, also schon im April?

Aber zu ernst sollte man nicht nehmen, was jetzt in der Partei geschieht. Nach aller Erfahrung werden zu diesem Zeitpunkt nur die Muskeln gezeigt, die Startpositionen erkämpft, die Fronten abgesteckt. Beim Parteitag selbst geht es dann zumeist sehr viel ruhiger zu. Allerdings: Eine Garantie für einen langweiligen Parteitag liegt in den gegenwärtigen Streitigkeiten nicht. Auch politische Bauernregeln können irren...

Andere Partei, fast die gleichen Probleme. „Viele Kölns“ wünschte sich Helga Schuchardt beim Treffen der FDP-Linken am vorvergangenen Wochenende in Köln. Die Resonanz in Bonn war beträchtlich, auch wenn sie im wesentlichen aus Dissonanzen bestand. Doch in Köln selbst scheint es mit der Fortführung der liberalen Erneuerung Schwierigkeiten zu geben.

In der Halb-Verborgenheit, die einen Kreisparteitag auszeichnet, sorgten die Kölner Freidemokraten dafür, daß sich auf ihren Delegiertenlisten für die anstehenden Parteitage kein Name aus dem linken Spektrum der Partei befindet. Auch Prominenz schützte vor diesem Schicksal nicht: Bundesinnenminister Gerhart Baum, Ansprechpartner der Linken in der Parteiführung, wohnhaft in Köln, erlangte die Delegiertenkarte nicht. Unter 45 Bewerbern kam er auf Platz 24, nur 22 Delegierte stehen den Kölnern zu.

Aber das ganze politische Leben sind die Fronten zwischen und in den Parteien denn doch nicht. Gelegentlich faltet sich die politische Landschaft auch nach anderen Gesichtspunkten. Alle Bundesländer, gleich welcher politischer Couleur, bezeugten beim Treffen der Ministerpräsidenten in der vergangenen Woche Bundesregierung und Bundestag ihre „große Verärgerung“ über den schleppenden Fortgang, den die Behandlung des Gesetzes zur Beschleunigung des Asylverfahrens nimmt. Und alle Länder würden gerne die Volkszählung blockieren, die seit Jahr und Tag von den Fachleuten für notwendig gehalten wird.