In der letzten Woche beschrieb unser Autor, wie Jung-Erpel, Gegenstand des Prozesses, ins Wasser flieht.

Alt-Erpel, nicht faul, hinter ihm drein in die blaue Flut: plisch und plum. Aber Jung-Erpel rudert schneller als er, saust planschend und flügelschlagend um einen Kahn herum, in dem ein Angler sitzt. Und dieser wiederum, anstatt mit seinem Ruder rasch den Streit zu schlichten, macht ein pfiffiges Schlich-Gesicht. („Ärgerlich“, bemerkte Schlich, „diesmal aber nicht für mich!“ Wilhelm Busch: „Plisch und Plum“.)

Inzwischen kehrt Alt-Erpel aufs Land zurück, hebt den Kopf, stellt sich so, als sähe er Jung-Erpel nicht, der an der Halbinselspitze gelandet ist und sich langsam dem Ort der Handlung wieder nähert. Sobald aber Jung-Ente wieder an den Flecken riecht, stürzt sich Alt-Erpel aufs neue und mit voller Kraft auf Jung-Erpel, springt ihm an den Hals, so daß die schwarzen Federn fliegen. Immer dieses Unrecht gegen die Schwarzen! Kann’s Erpelchen dafür, daß Entchen an seinen Flecken riecht?

Inzwischen haut Alt-Erpel ihn, den Jungen, daß die Federn fliegen. Und damit nicht genug: Er lädt Jung-Ente zu einer Tasse Kaffee und zu einem Kognak ein und entführt sie an die Inselspitze, dorthin, wo das schöne Oktoberlaub leuchtet. Vermutlich wird er ihr sagen, daß er es eigens für sie hingelegt hat. Und fasziniert wird sie ihm lauschen, während Jung-Erpel, der weder solche Geschichte kennt noch das Geld hat, einen Kognak zu zahlen, sich begnügen muß, abstrakte Gemälde im Stil der Nouvelle Vague auf kurzgeschorenen Rasen zu malen: Weiß auf Grün.

Soweit meine Nachmittagsgedanken. Aber abends, am Schreibtisch, nehme ich mir, wie es sich gehört, dann die Akten vor, die blauen Deckel, die mit Schriftstücken prall gefüllt sind. Titel: Entenprozeß!

Aber ist da nicht die Einzahl („Entenprozeß“) durchgestrichen und von Alexandras Hand in die Mehrzahl verwandelt worden: „Entenprozesse“? So laßt uns einaml überlegen: Der eigentliche, der alexandrinische, des Originalprozeß geht um das Eintreiben von Enten in Fischereigewässer; der andere um das Austreiben von Anglern aus Entengewässern. Drei Enten, zwei Prozesse – na, das geht ja noch.

Oben auf dem Aktenstoß liegt ein Schriftstück, das ich noch nicht kenne. „Sachverständigen-Gutachten“ ’steht darauf. Es ist die Arbeit des Herrn Herbert Ringleben aus Hannover, eines anerkannten Ornithologen, aha!