Die Banken schlagen Alarm. Die deutschen Unternehmen verfügen über zuwenig Eigenkapital. Wegen des Zwangs, hohe Fremdmittel teuer zu verzinsen, müssen immer mehr Betriebe den traurigen Gang zum Konkursrichter antreten.

Bei der privaten Vermögensbildung verliert die Aktie ständig an Bedeutung. Das ist nicht verwunderlich. Ihre Rendite kann mit den hohen Zinsen festverzinslicher Wertpapiere auch dann nicht mithalten, wenn zur Bardividende das Körperschaftssteuerguthaben hinzugerechner wird. Ein Blick in die Vergangenheil zeigt außerdem, daß von einem langfristigen Vermögenszuwachs über steigende Kurse am Aktienmarkt nur noch in Ausnahmefällen die Rede sein kann.

Nun ist es nicht so, daß der besser verdienende Bürger, unseres Landes zu ängstlich geworden ist und jedes Risiko bei. der Anlage seiner Ersparnisse scheut. Jährlich fließen etwa vier bis fünf Milliarden Mark in steuerlich geförderte Abschreibungsobjekte. Niemand wird behaupten wollen, daß mit ihnen nur Geld verdient wird. Es genügt aber schon die Chance dazu, um verfügbares Geld anzulocken. Bei den Aktien – so ist jedenfalls der weitverbreitete Eindruck – besteht nicht einmal mehr diese Chance.

Die Gründe für die verhängnisvolle Entwicklung liegen auf der Hand. Die im vergangenen Jahrzehnt geschrumpften Unternehmensgewinne erlauben nur wenigen Betrieben eine vergleichsweise angemessene Verzinsung ihres Eigenkapitals. Die jetzige Regierungskoalition hat die Belastbarkeit der Unternehmen jahrelang geprüft und ist dabei entschieden zu weit gegangen. Sie wird sich selbst ausrechnen müssen, wie hoch der Anteil an den knapp zwei Millionen Arbeitslosen ist, den sie durch ihre gesellschaftspolitischen Reformen verschuldet hat. Die Ansätze zur wirtschaftspolitischen Vernunft, wie sie im vorgeschlagenen Beschäftigungsprogramm und im Bundeshaushalt für 1982 enthalten sind, reichen nicht aus, um die Folgen der in der Vergangenheit begangenen Fehler rasch zu beseitigen.

Um den „Heilungsprozeß“ abzukürzen und um die für vermehrte Investitionen dringend notwendige Zuführung von Eigenkapital zu beschleunigen, will F. Wilhelm Christians, einer der Vorstandssprecher der Deutschen-Bank, dem Problem von einer anderen, Seite her zu Leibe rücken: Er möchte das Aktiensparen steuerlich fördern lassen.

Dazu schlägt er vor, innerhalb gewisser Freigrenzen einen steuerlichen Freibetrag für den Aktienerwerb zu gewähren. Außerdem stellt er die Steuerfreiheit der Dividendenzahlungen für den Fall zur Diskussion; daß die Erträge zur Wiederanlage in deutschen Aktien benutzt und die so erhobenen neuen Papiere für eine gewisse Zeit festgelegt werden. Die Rede ist ferner von einem Sanierungsbonus. Er soll den Aktionären die Sanierung ihrer Gesellschaft erleichtern, indem Kapitalerhöhungen begünstigt werden die im Zusammenhang mit einer zum Verlustausgleich durchgeführten Kapitalherabsetzung stehen. Der Aktionär würde dann eine steuerlich anrechenbare Verlustbescheinigung erhalten.

Woher soll der Fiskus das Geld für die staatliche Aktienförderung nehmen? Christians macht einen Deckungsvorschlag. Er verweist auf die Mehreinnahmen, die dem Staat im Zusammenhang mit der Körperschaftssteuerreform jährlich zufließen, weil Ausländer und andere Aktionäre, die nicht berechtigt sind, das ihnen neben der Dividende zustehende Körperschaftssteuerguthaben mit ihrer sonstigen Steuerschuld zu verrechnen. Schätzungsweise wird ein Drittel der von den etwa hundert wichtigsten Publikumsgesellschaften abgeführten Körperschaftssteuer nicht als Gutschrift durch Aktionäre abgerufen.