Von Erika Martens

Mitte Mai wird Heinz Oskar Vetter, seit 1969 Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), sein Amt niederlegen. Doch sein designierter Nachfolger Alois Pfeiffer ist wegen seines finanziellen Engagements in Berlin ins Gerede gekommen. Auf einer Sondersitzung diskutieren die Gewerkschaftsspitzen nächste Woche noch einmal über die Nachfolge-Frage.

Ein DGB-Vorsitzender, resümierte Heinz Oskar Vetter kürzlich, muß vor allem eins haben: eine dicke Haut. Vetters designierter Nachfolger, Alois Pfeiffer, scheint diese Eigenschaft in ausreichendem Maß zu besitzen. Denn die wochenlange Personaldebatte um ihn und sein finanzielles Engagement in Berliner Häusern der Neuen Heimat hätte dünnhäutigere Menschen wohl längst zum Aufgeben gebracht. Alois Pfeiffer aber kandidiert unverdrossen weiter.

Seine Hartnäckigkeit allein dürfte allerdings noch kein Grund sein, den 57jährigen DGB-Wirtschaftspolitiker zum neuen Chef des gewerkschaftlichen Dachverbandes zu wählen. Zwar wird Alois Pfeiffer nachgesagt, er habe Qualitäten, die nicht gleich ins Auge fallen. Er sei ein bedächtiger Mann, stehe aber mit beiden Beinen auf der Erde. Doch im Vorfeld der Nachfolgediskussion war der frühere Vorsitzende der kleinen Gewerkschaft Landwirtschaft und Forsten unter den Gewerkschaftsführern der siebzehn Einzelorganisationen durchaus nicht unumstritten. Für den ÖTV-Vorsitzenden Heinz Kluncker zum Beispiel, der ein gewichtiges Wort im Chor der DGB-Fürsten zu sagen hat, wäre die erste Wahl von Anfang an Ernst Breit gewesen, der Chef der Postgewerkschaft. Der aber hat sich bisher aus persönlichen Gründen hartnäckig gegen die DGB-Spitzenposition gewehrt.

Von Anfang an also war Pfeiffer ein Kompromißkandidat. Dies allein allerdings hätte ihn für die Vetter-Nachfolge noch nicht disqualifiziert. Denn dieses Schicksal teilt er mit vielen seiner Vorgänger. Oft genug in der Nachkriegsgeschichte des DGB war es nicht der stärkste Kandidat, der sich durchsetzte, sondern derjenige, auf den sich "Starke einigen können", schreibt der Historiker Ulrich Borsdorf in einer Analyse über deutsche Gewerkschaftsführer. Auch Heinz Oskar Vetter war solch ein vermeintlich schwacher Mann, als er 1969 an die Spitze des DGB gewählt wurde. Heinz "Null" Vetter, nannten ihn seine Kritiker denn auch lange in ironischer Abwandlung seines Namens, Heute freilich sind solche spitzen Bemerkungen längst allgemeiner Anerkennung und Achtung gewichen. Warum also sollte es Alois Pfeiffer nicht ähnlich ergehen?

Doch zu der allgemeinen Skepsis gegenüber dem farblosen Pfeiffer ist inzwischen auch seine 100 OOO-Mark-Beteiligung an privatrechtlichen Gesellschaften in Berlin gekommen. Solche Beteiligungen haben zwar auch Vetter (220 000 Mark) und der IG-Metall-Vorsitzende Loderer (220 000 Mark) erworben. Doch dies ist nicht allein der Stein des Anstoßes.

Niemand geht soweit, die Aktivitäten der drei Gewerkschaftsoberen als illegal zu bezeichnen. Zwar machen Männer wie etwa Heinz Kluncker einen feinen Unterschied zwischen Legalität und Legitimität und schließen messerscharf, daß längst nicht alles, was legal ist, auch erlaubt ist. Doch hinter der Kritik an Pfeiffer steckt mehr. Anders als bei Vetter und Loderer, die in Berlin offenbar Gelder aus dem Verkauf eines Hauses oder Grundstückes angelegt haben, ist die Herkunft der Summe bei Pfeiffer für viele noch nicht befriedigend beantwortet. Und für einen hohen Gewerkschaftsfunktionär gelten nun einmal besondere Gesetze. Seine Ideale und sein Auftrag lassen es nicht zu, daß et sich verhält wie ein Kapitalist. Und genau dies kreiden auch die Puristen den Kollegen an.