Von Michael Naumann

Washington, im März

Ein hoher Beamter im State Department“, Quellen-Kürzel der amerikanischen Presse für Alexander Haig, erklärte zum vorigen Wochenende, daß der mittelamerikanische Krisenherd „globaler Natur“ sei – mithin müßten die Sowjetunion, Kuba und größere lateinamerikanische Nationen in allfällige Lösungsversuche einbezogen werden.

Freilich meinte der „hohe Beamte“ damit keinen vorschnellen Abschied von der 159jährigen Monroe-Doktrin, die bislang (fast) unwiderlegt Nordamerikas Herrschafts- und Interessenhemisphäre definiert. Vielmehr komme es darauf an, so Alexander Haig, sowjetischer Einmischung in der mittelamerikanischen Region sowohl in Gesprächen als auch mit einem „geopolitischen Hebel“ zu begegnen: „Ich schlage nicht gerade vor, das polnische Regime zu unterminieren, doch Polen ist ein wunder Punkt der Sowjetunion ...“

Das Drohprinzip „Wie du mir, so ich dir“ wird womöglich schon in Mittelamerika in die Tat umgesetzt: Präsident Reagan, so berichtete jüngst die Washington Post, habe vor Monaten bereits CIA-Operationen gegen nicaraguanischen Waffennachschub für die Guerilla in El Salvador zugestimmt. Millionen Dollar fließen außerdem in die Schatullen „progressiver und linksgerichteter Kräfte“ in Mittelamerika; solchermaßen unterstützt, sollen sie den ideologischen Verlockungen Kubas und der Sowjetunion widerstehen.

Obwohl Haig El Salvador und die Eindämmung der nicaraguanischen Revolutionsfolgen vor Jahresfrist zum Testfall westlicher Außenpolitik erhoben hatte, war das Krisengebiet auf Wunsch des Weißen Hauses, das die Budget-Triumphe Reagans feierte, auf einen unteren Rang in der Tagesordnung des State Department gerutscht. Doch schon im November behauptete ein Reporter der Fernsehgesellschaft ABC, daß argentinische Saboteure mit amerikanischer Unterstützung den Einsatz in Nicaragua proben. Haig macht die Sandinistas in Managua verantwortlich für die kriegerischen Sozialunruhen in den benachbarten Ländern, zumal in El Salvador – doch die wahren Drahtzieher säßen in Havanna und in Moskau.

Ein führender Abgeordneter im Kongreß, Michael D. Barnes, findet lediglich, daß derlei Eskapaden im Untergrund die „schlimmsten mittelamerikanischen Instinkte gegenüber den Vereinigten Staaten bestätigen“. Die Nicaraguaner wird es kaum trösten, daß die CIA auf den Waffenbeistand jener Gardisten verzichten will, die einst den Diktator Anastasio Somoza bis zur vorletzten Patrone in Managua verteidigten. Heute proben sie unbehelligt (und gesetzwidrig) in Florida den Tag der bewaffneten Heimreise.