Lange Zeit galten Diamanten als eine der sichersten Geldanlagen der Welt. Doch inzwischen müssen

Von Irene Mayer-List

Nicht nur Harry Oppenheimer – Herr über die größten Diamantenminen der Welt – hat Sorgen. Auch kleine Anleger und Schmuckfans, die in Diamanten investierten, haben Grund zum Ärger. Die Preise, die jahrelang mit schöner Regelmäßigkeit stiegen, sind ins Trudeln geraten. Ein lupenreiner Einkaräter zum Beispiel, für den Anleger vor zwei Jahren rund hunderttausend Mark gezahlt haben, ist heute weniger als die Hälfte wert.

Am Diamantenmarkt herrscht Krisenstimmung. Schuld daran sind vor allem die hohen Zinsen. Die Käufer rechnen sich aus, welche Verluste ihnen entstehen, wenn sie in „totes Kapital“ investieren und legen ihr Geld lieber auf der Bank an. Die Händler sitzen auf hohen Lagern und müssen für die Kredite, mit denen sie ihre großen Diamant-’ kaufe finanziert haben, horrende Zinsen zahlen. In den großen Diamantenzentren von New York, Antwerpen und Tel Aviv sind Pleiten inzwischen an der Tagesordnung. Viele Händler können sich nur noch mit Notverkäufen über Wasser halten.

„Die Händler rennen uns im Moment den Laden ein. Die kriegen die großen Steine nirgends mehr los. Es ist eine Katastrophe“, stöhnt der Frankfurter Juwelier Stephan Friedrich. Und Max Günther, Geschäftsführer der Edelsteinbörse Idar-Oberstein, klagt: „Das Problem ist, daß die Leute mit Diamanten einfach zu viel spekuliert haben. Das mußte schiefgehen.“

In diese Spekulation sind die Diamantenkäufer in den siebziger Jahren von Anlageberatern hineingetrieben worden, denen es gelang, den lupenreinen Einkaräter – ein erbsengroßer Stein, der auch bei zehnfacher Vergrößerung keine Makel zeigen darf – zum Geheimtip für eine krisenfeste Geldanlage hochzustilisieren. Weltweit brach ein wahres Diamantenfieber aus. Diamanten seien inflationssicher, immer verkäuflich und leichter als Goldbarren über die Grenze zu schmuggeln, versprachen die Verkäufer – und die Käufer ließen sich vom damaligen Preisboom bei Diamanten blenden.

Denn die Profite waren spektakulär: Zeitweise 1979/80 – verdreifachte sich dank der enormen Nachfrage der Preis der Steine innerhalb eines einzigen Jahres. Gustav Manz, der größte deutsche Diamantenschleifer, meint: „Zum Schluß waren die Preise total überhöht. Die Investmentleute haben den Käufern einfach rosarote Wolken vorgemalt. Kein Wunder, daß die Sache jetzt geplatzt ist.“