Die Türken können sich eigentlich nur noch wundern. In den sechziger Jahren kamen die Deutschen nach Anatolien, um Gastarbeiter anzuheuern. Jetzt kommen sie wieder und wollen den Anatoliern Arbeitsplätze in der Türkei finanzieren. Die Bundesregierung hat nämlich ein zehn Jahre altes Programm aus der Entwicklungshilfe wiederentdeckt, das heute sehr gelegen kommt: Es soll türkischen Arbeitern aus den ärmsten Regionen des Landes helfen, mit ihren Ersparnissen eigene größere Betriebe zu gründen.

Wen wundert es, daß Bonn heute dafür tiefer in die Tasche greift als früher? Als es noch keine arbeitslosen türkischen Gastarbeiter gab, machte die Regierung für dieses Entwicklungsprogramm spärliche 500 000 Mark im Jahr locker. Heute, drei Jahre vor dem Beitritt der Türkei zur Europäischen Gemeinschaft (EG), stellt sie rund neunzehn Millionen Mark jährlich zur Verfügung. Bonn fürchtet, daß der EG-Beitritt die Schleusen für türkische Einwanderer in die Bundesrepublik öffnen könnte, und baut vor.

Mit dem deutschen Entwicklungsprojekt sind in der Türkei bereits über hundert Fabriken fertiggestellt worden. Das Resultat ist erfreulich: 34 000 neue Arbeitsplätze. Wer will den Türken verübeln, daß sie die unerwartete Hilfe aus Bonn dankbar annehmen? Da sie wiederum die Freizügigkeit für Arbeitskräfte auch nach dem EG-Beitritt noch nicht hundertprozentig garantiert sehen, handeln sie nach der Devise: Nur ungern nimmt der Handelsmann statt barer Münze gar nichts an.