Frankreich behindert italienische Exporteure mit immer neuen protektionistischen Tricks

Den letzten Coup landeten die südfranzösischen Winzer vergangenen Freitag. Fest entschlossen, keinen italienischen Wein ins Land zu lassen, stürmten sie in dem kleinen Mittelmeerhafen Sète die Kellerei Comptoir Agricole Française, sprengten die Weinbottiche mit Dynamit und ließen 60 000 Hektoliter blutroten Saft auslaufen. Allerdings hatten die Vignerons in ihrer Wut die falschen Fässer gesprengt: Es war französischer Wein, der in den Wasserkanal floß.

Überdies waren die aufsässigen Winzer nicht nur an den falschen Wein, sondern auch an den falschen Mann geraten. Großaktionär des Comptoir Agricole Française ist nämlich der kommunistische Multimillionär Jean Baptiste Doumeng, ein einflußreicher Ratgeber seiner Partei. Bekannt ist der Mann durch seine subventionierten Butterverkäufe an die Sowjets. Die sozialistische Regierung Mitterrand, an der die Kommunisten beteiligt sind, sympathisiert mit den Winzern. Zornrot argwöhnte Doumeng nach dem Attentat auf seine Fässer: „Da meine Firma höchstens fünf bis sechs Prozent der französischen Weinimporte aus Italien tätigt, handelt es sich mit Sicherheit um eine politische Provokation.“

Daß freilich Doumengs fünf bis sechs Prozent keine quantité négligable sind, ergibt eine einfache Rechnung. Im vergangenen Jahr verschickte Italien über sieben Millionen Hektoliter Wein nach Frankreich. Das entspricht einer deutschen Durchschnittsernte. Rund fünf Prozent davon sind immer noch so viel, wie die gesamte jährliche Weinproduktion der Anbaugebiete Franken und Rheingau zusammen.

Was die Italiener nach Frankreich liefern, ist Massenware zum Spottpreis von 52 Pfennig je Liter. Der Wein muß nur zwei Bedingungen erfüllen: Er muß viel Alkohol und viel roten Farbstoff haben. Die Franzosen brauchen ihn zum Verschnitt mit ihren blassen und weniger alkoholreichen Rotweinen. Italien als EG-Land ersetzt mit seinen Lieferungen immer mehr Algerien, dessen starke Weine früher einmal den französischen Roten kräftigten;

Da der Zusammenfluß der europäischen Weinströme jedoch wesentlich größere Mengen ergibt, als der Markt aufnimmt, möchten Frankreichs Winzer die Konsumenten dazu bekehren, nicht mehr auf Farbnuancen zu achten und den Rotwein national und unvermischt zu trinken. Sie wissen, daß ihre Produktionskosten um zwanzig Prozent über den italienischen liegen und daß nach Schätzungen in diesem Jahr zwanzig Millionen Hektoliter Wein in der EG ungetrunken bleiben werden – je die Hälfte davon aus Frankreich und Italien.

Die Regierung Mitterrand hat sich die protektionistischen Forderungen der südfranzösischen Winzer zu eigen gemacht und deren Vernichtungsaktionen mit Zollsperren gegen italienische Weinlieferungen begleitet. Vor wenigen Wochen wurde sie deshalb von Brüssel zur Ordnung gerufen.