Heinz Oskar Vetter, Vorsitzender des DGB, sieht den Chefmanager aller Gewerkschafsunternehmer, Walter Hesselbach, in allzu rosigen Farben. Weil Hesselbach „einer der großen Finanzmenschen dieser Zeit sei“, sehe er seine über Strohmänner aufgebauten Firmenbeteiligungen „aus anderen Augen als wir normalen Menschen“, meinte Vetter vor kurzem (ZEIT-Interview Nr. 8, 19. 2. 1982).

In Wirklichkeit liegen die Dinge doch ein wenig anders. Wenn Walter Hesselbach seine privaten Eigentumstransaktionen so geschickt versteckt hat, so mag das eher daran liegen, daß ihm solche Geschäfte zumindest nach außen hin sehr unangenehm gewesen sein müssen. Schließlich muß die Eigentumsanhäufung den „großen Finanzmenschen“ allzu offenkundig an einen noch kleinen Walter Hesselbach erinnern, der mit Eigentum eigentlich nichts im Sinn hatte.

Im nicht gerade mehr jugendlichen Alter von 41 Jahren fand Hesselbach beispielsweise: „Das Privateigentum verliert mehr und mehr an Bedeutung, wird mehr und mehr funktionslos. Es steht nur noch im leeren Raum, zum Schaden der Allgemeinheit als eine unkontrollierte und gefährliche wirtschaftliche und politische Macht, ohne daß es hierfür noch Zweckmäßigkeitsargumente gäbe“. Nachzulesen im Protokoll vom SPD-Parteitag Juli 1956.

Und noch ein Jahr vor dem neuen Godesberger Programm der SPD mit seiner Abkehr von Karl Marx und der Öffnung zur Marktwirtschaft beklagte der aus Hessen-Süd stammende Parteitagsdelegierte Hesselbach die lasche Haltung seiner Partei gegenüber einer notwendigen Änderung der Eigentumsverhältnisse. Hesselbach auf dem Parteitag 1958: „Was tun und fordern wir nun? Ein bißchen Kontrolle, ein bißchen Fachaufsicht und, wenn’s halt gar nicht anders geht, mit wehem Herzen und tönenden Augen auch etwas Überführung in Gemeineigentum! Genossinnen und Genossen, ich glaube, so geht es nicht.“

Die Partei entschied dann, daß es doch so gehen müsse. Walter Hesselbach’s Schaden war es am Ende auch nicht.

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„An allen Fronten“ will der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Freien Berufe, Dietrich-Wilhelm Rollmann, gegen die Pläne der in Nordrhein-Westfalen regierenden SPD kämpfen, die Gewerbesteuer nun auch auf die bisher ausgenommenen Freiberufler auszuweiten. Rollmann: „Die freien Berufe waren in der preußisch-deutschen Finanzgeschichte nur zweimal gewerbesteuerpflichtig: während der Napoleonischen Kriege zwischen 1810 und 1820 und während der Weltwirtschaftskrise zwischen 1930 und 1936, in ausgesprochenen Notzeiten also, als die öffentlichen Kassen völlig leer waren.“