Das Omnibus-Werk wird im nächsten Frühjahr geschlossen

Von Anton Hunger

Pessimisten sehen schon einen zweiten Fall Videocolor. Ähnlich wie der französische Elektronik-Konzern Thomson-Brandt das Farbbildröhrenwerk in Ulm in verhältnismäßig kurzer Zeit nach seinem Einstieg stillegte, werde jetzt der italienische Automobilkonzern Fiat zwei Jahre nach der endgültigen Übernahme der Magirus-Deutz AG das Magirus-Werk in Mainz schließen. Das Schema ist übertragbar: Ausländische Großkonzerne kaufen renommierte kleinere Unternehmen – ihr Interesse richtet sich aber weniger auf Produktionsstätten, sondern gilt einem bereits erschlossenen Markt.

So sehr dieser Schluß sich aufdrängt, im Fall Magirus, dessen Mainzer Omnibuswerk geschlossen werden soll, ist er dennoch falsch. Denn während Videocolor offensichtlich von den Franzosen gekauft wurde, um die bestehenden Überkapazitäten in Europa bei Farbbildröhren zu beseitigen, hat die Fiat-Nutzfahrzeugholding Iveco, in deren Verbund Magirus-Deutz seit 1975 integriert ist, sehr wohl ein starkes Interesse an deutschen Produktionsstätten.

Fiat hat viel investiert

Der Grund: Wachstumschancen für Lastwagen und Omnibusse kann sich in der Bundesrepublik, wo so potente Wettbewerber wie Daimler-Benz und MAN produzieren, nur ausrechnen, wer selbst hier fertigt. Importfahrzeuge haben bei den öffentlichen Auftraggebern kaum Chancen und lukrative Bundeswehraufträge gibt es ohnehin nur, wenn das Unternehmen in der Bundesrepublik angesiedelt ist. Bundeswehraufträge wiederum verschaffen den Herstellern aber erst die Reputation bei den privaten Auftraggebern und – was noch wichtiger ist – bei den Armeen in Ländern ohne eigene Nutzfahrzeugindustrie.

Das wissen offensichtlich auch die Fiat-Manager in Turin. Sonst machte ihre auffallende finanzielle Großzügigkeit keinen Sinn. Fiat hat nicht nur nach dem durch dreistellige Millionenverluste nötigen Kapitalschnitt 220 Millionen Mark in die Tochter Magirus gesteckt, sondern auch schon Jahre vorher immer wieder Geld überwiesen und wird dies auch für das Geschäftsjahr 1981 tun müssen. Anders könnte das Unternehmen, das allein im Mainzer Omnibuswerk zweistellige Millionenbeträge als Verlust ausweist, kein ausgeglichenes Jahresergebnis vorweisen.