Hervorragend

„Die King’s Singers singen deutsche Volkslieder“, Folge 2., und „The King’s Singers Believe in Music“. Wer die so schrecklich anständigen Bemühungen um unsere ebenso unbekannten wie belächelten Volkslieder von Gesangsvereinen wie von Opernsängern kennt, weiß, wie schwer das ist: den richtigen Ton zu finden, also das Paradoxon zu wagen, dem Volkslied mit der äußersten Kunst zu begegnen, ohne es dabei umzubringen. Nicht Tenöre haben das fertiggebracht, sondern dieser englische Kammerchor. Auch nicht einen Augenblick ermüdet man, den sechs zuzuhören, und das liegt nicht nur an ihrer Kunst des Gesanges, sondern auch an der Kunst des Satzes, den sie sich haben machen lassen, an der Vielfalt der Arrangements – und an ihrem geradezu zärtlichen musikalischen Witz, der dem empfindsamen Sujet so viel Frische gibt, mit „dabadabada“ wie mit parodistischen Collagen. Das gilt nicht weniger für ihre andere Schallplatte, die – wie diese – passend zur Tournee herausgekommen ist und unter einer Binsenwahrheit von Titel das gleiche nun wieder Schlagern angedeihen läßt. Es sind berühmte darunter: „Short People“ von Randy Newman und „Because“ von den Beatles, „Copacabana“ und der lustige Hit „Save your kisses for me“. Sehr komisch, was die sechs ernsthaft vergnügten Briten hier vollführen – und lukullisch ist es auch. (Intercord INT 161.544 und INT 161.545) Manfred Sack

Hörenswert

Edvard Grieg: „Symphonie“. Das gibt es also noch: daß ein komplettes sinfonisches Werk über hundert Jahre im Safe einer Bibliothek liegt und nicht gespielt wird, weil der Komponist auf die Titelseite der Partitur geschrieben hat: „Darf niemals aufgeführt werden“ – Grieg war von erheblichen Skrupeln befallen worden, als er eine Symphonie seines Kollegen-Konkurrenten Svendsen zu hören bekam. Aber schließlich setzte sich der Bibliotheksdirektor doch über das Selbstzweifel-Verbot hinweg und gab die Partitur frei – beim letzten Bergen-Festival wurde das Stück „wiedergeboren“. Mendelssohn könnte Pate gestanden haben bei dieser Symphonie – ein bißchen Unbeschwertheit und Leichtigkeit, nicht zu komplizierte Formverhältnisse, klare harmonische Abläufe und gefällige Expressivität brauchen nicht auf das Konto „Jugendwerk“ gesetzt zu werden; die Folklorismen und der introvertierte Ernst des späteren „nationalen Grieg“ fehlen zwar, aber gerade die Spontaneität dieses Stücks macht es so wichtig. Das Bergen-Sinfonie-Orchester unter Carsten Andersen zeigt sich als sehr klangfreudig und farbenbewußt; die Aufnahme selber leidet ein ganz klein wenig unter der dämpfenden Akustik der Grieg-Halle in Bergen. (Decca-TIS SXDL 75 37)

Heinz Josef Herbort

Altmodisch

Der moderne Man: „Unmodern“. Der Fachmann von der ndW-Abteilung versichert, diese No-Fun-Platte sei eine der wichtigsten unter den neuesten Produktionen der neuen deutschen Tanzmusik/Welle/Schlager etc., etc. Aber dann entpuppt sie sich halt doch wieder als eine weitere unter vielen genauso stillos wie willkürlich zusammengeklaubten und geklitterten ndW-Produkten von geradezu unsäglicher Langeweile, von denen jede nächste sich wie eine Fortsetzung und gleichzeitig wie eine unfreiwillige Parodie auf die voraufgegangene anhört. Was sich da schwarz auf weiß gedruckt auf der Innenhülle manchmal wie eine Folge von Blödelversen liest, klingt im Sprechgesang des Mattus (das ist der Vokal-Star der Gruppe) leider so überhaupt nicht mehr komisch oder witzig. Textprobe aus „Das Tier“: „Der Raum versinkt in Panik/Die Katze fällt tot um/Es kracht in allen Wänden/Ein wilder Schrei geht um.“ Das hätten die Texter des Otto Waalkes auch kaum schöner formulieren können. (No Fun NF 015) Franz Schöler