An manchen Börsentagen ist die Stimmung in den Sälen besser, als sich dies in den Aktienkursen widerspiegelt. Das liegt daran, daß die Mehrzahl der Banken ihre Kundschaft zwar auf den Kauf von Aktien vorbereitet, aber noch zögert, ein eindeutiges Signal zum „Einsteigen“ zu geben.

Dafür zwei Beispiele. So schreibt die ADCA-Bank: „Der günstige Zeitpunkt für den Kauf von Aktien dürfte nicht mehr in weiter Ferne sein!“ Das Privatbankhaus Delbrück & Co drückt sich umständlicher aus: „Die in der Summe eher konjunkturermutigenden Zukunftsperspektiven, die gleichzeitig von einer tendenziell sinkenden Zinsentwicklung begleitet werden dürften, hellen auch das Börsen- und Anlageklima auf, weshalb es dem Aktien- wie Rentenanleger empfohlen sei, Neuengagements nicht mehr allzu lange hinauszuzögern.“

Eine einheitliche Meinung darüber, welche Aktien kaufenswert geworden sind, existiert nicht. Überwiegend werden die zinsreagiblen Bank-Aktien empfohlen. Tatsächlich gehören die Kreditinstitute zu den wenigen Unternehmen, die aus heutiger Sicht in diesem Jahr (noch) besser verdienen werden als 1981. Denn sinkende Zinsen heilen die Refinanzierungsfehler der Vergangenheit. Außerdem sammeln sich in den Rentenportefeuilles Kursreserven an, die notfalls zur Besserung der Ertragsrechnung eingesetzt werden können.

Als zinsreagibel gelten ferner die Versorgungswerte. Die Bank für Gemein Wirtschaft macht aber hier Vorbehalte. Sie meint, daß die Aktien der Stromerzeuger und -verteiler unter Anlagegesichtspunkten solange uninteressant bleiben, wie es nicht zu einem verstärkten Einsatz von Kernenergie kommt. „Eine Sondersituation stellt angesichts der günstigen Primärenergiestruktur (60 Prozent Braunkohle, Reserven für Jahrhunderte) weiterhin RWE dar. In zweiter Linie könnten NWK Vorzüge (hoher Kernenergieanteil, gute Finanzlage) und Badenwerk (Wiederinbetriebnrhme des Kernkraftwerks Philippsburg I) interessant sein.“

Umstritten sind in den Augen der Anlageexperten die Aktien der Maschinenbauindustrie. Einerseits wird auf ihre in letzter Zeit erzielten Exporterfolge hingewiesen, die zumindest den Unternehmen über die mageren inländischen Bestellzeiten hinweghelfen, andererseits heißt es, daß der Auftragsschub aus den Opec-Ländern wegen des sinkenden Ölpreises „in den letzten Zügen“ liegt. Die Furcht vor einer sich langsam abschwächenden Auslandsnachfrage hat in den letzten Tagen dazu geführt, daß bei den meisten Maschinenbauaktien Kursgewinne realisiert worden sind. K.W.