Seit Jahren pflegt der österreichische Bundeskanzler Bruno Kreisky, politische Alleingänge vorzunehmen. Vorige Woche empfing er Muammar Ghaddafi, den libyschen Revolutionsführer, In Wien.

ZEIT: Hat der Ghaddafi-Besuch gehalten, was Sie sich davon versprochen haben?

Kreisky: Ich kenne Ghaddafi seit sieben Jahren. Ghaddafi ist ein Revolutionär aus der Dritten Welt, der mit unseren Maßstäben nicht gemessen werden kann – weder was seine Ideen betrifft noch was seine Taten betrifft. Ich habe mich also vor die Frage gestellt gefühlt: Soll man diesen Mann links liegenlassen, oder soll man, wenn so eine Gelegenheit sich bietet, den Versuch unternahmen, ein Gespräch sozusagen von zwei Planeten aus zu führen?

ZEIT: Was ist dabei herausgekommen?

Kreisky: Wirtschaftlich sind die Dinge vorher schon sehr gut geregelt gewesen. Wir haben nichts mehr besser zu erwarten als das, was sowieso schon geht.

ZEIT: Und politisch?

Kreisky: Politisch ist es halt der Versuch, über offene Fragen mit ihm zu reden und zu sehen, wieweit es hier irgendwelche Möglichkeiten gibt. Also zum Beispiel in der Frage Malta – da habe ich beide, Ghaddafi und Mintoff, weil ich sie gut kenne, dazu gebracht, sich zusammenzusetzen. Sie haben etwas akzeptiert, was große Staaten selten akzeptieren: einen Schiedsspruch des Internationalen Gerichtshofes.