Sehenswert

„Heißblütig – Kaltblütig“ von Lawrence Kasdan. Lust, Gier, Mord, Doppelspiel und Verrat; die unheilvolle Begegnung eines schwachen Mannes (William Hurt) mit einer „femme fatale“ in Weiß (Kathleen Turner); zweideutige Gespräche, die zu eindeutigen Taten führen (ein ermordeter Ehemann, ein gefälschtes Testament): „Body Heat“ (Originaltitel) ist zweifellos der Film eines leidenschaftlichen Fans der Chandler-Cain-Schule der „hard boiled“-Fiction und der „schwarzen Serie“ Hollywoods der vierziger Jahre (Garnetts „The Postman Always Rings Twice – Im Netz der Leidenschaft“, Wildeis „Double Indemnity – Frau ohne Gewissen“). Die mit absichtsvoller Beiläufigkeit eingesetzten emblematischen Details bilden in sich schon einen Katalog von „film noir“-Klischees: flirrende Hitze, Flammen in der Nacht, durch Jalousien fallendes Licht, surrende Ventilatoren, im Nachtwind klingende Mobiles, erhitzte Körper auf kühlem Satin. „Body Heat“: hochstilisierte Bilder, die von warmen Braun-, Gelb- und Rot-Tönen zu kaltem Blau und Grau gerinnen; hochstilisierte Dialoge, die wie stenographisch komprimiert wirken; entflammte Emotionen in einer kühl kalkulierten Geschichte. Das Regiedebüt des Drehbuchautors Lawrence Kasdan („Das Imperium schlägt zurück“, „Jäger des verlorenen Schatzes“) ist sowohl ein Film über die Tradition (und nachhaltige Faszination) des amerikanischen „film noir“ wie ein beeindruckend perfektes (wenn auch etwas anachronistisches: weil in seiner Überdeutlichkeit leicht absurdes, fast „camp“-artiges) Beispiel dieses Genres. Ein „Movie-Movie“, dessen clevere Kunstfertigkeit mitunter ebenso erdrückend wirken kann wie die schwüle Atmosphäre, die hier diese sonnengeplagten Nachtmenschen einlullt. Aber darin liegt auch der Reiz dieses Films: geliebte und verdrängte Pulp-Fiction wiederzufinden – diesmal mit Goldland und luxuriös eingebunden. Helmut W. Banz

Öde

„Wer spinnt denn da, Herr Doktor?“ von Stefan Lukschy und Christian Rateuke. Daß eigentlich die Irren die Normalen und die Normalen die Irren sind, wird in dieser bundesrepublikanischen Komödie einmal mehr vorgeführt. Benutzt werden dazu alle nur erdenklichen Klischee-Figuren des simplen Witzes: Psychiater, Klerikale, Schwule, Gehemmte, Frauen. Wie ist das lustig: das wippende Hinterteil einer Frau und der blöd stierende Ausdruck des Mannes – im Schnittwechsel. Und Otto Sander, der ja wirklich komisch sein kann, sieht in diesem dummen Klamauk auch nur noch aus wie Otto Sander. Nur Paul Burian darf einmal einen schönen Satz sagen: „Die Dinge mögen mich nicht.“ Das hätten die beiden Regisseure programmatisch nehmen sollen. Manuela Reichart

Ärgerlich

„Wie vergewaltige ich einen Mann?“ von Jörn Donner; nach einem Roman von Märta Tikkanen, die in ihrer Geschichte einmal nicht eine verletzte, zerstörte Frau beschrieben hat, sondern eine souveräne, eine, die sich rächen will für das, was ihr angetan wurde. Aber was in dem Roman der Frau, auch weil er ironisch und witzig ist, gelingt, wird in dem Film des Mannes, vor allem, weil der sich betulich und mitfühlend gibt, wieder aufgehoben. Da nimmt sich nicht eine selbständige Frau das Recht, nur Lust auf ein Gespräch und einen Likör in der Wohnung des Mannes zu haben, sondern eine liebesdurstige Vierzigerin gibt sich wie eine Halbwüchsige, die alles will, nur nicht das Eine. Und den gewaltsamen Übergriff des Mannes auf die Frau verfolgt die Kamera mit dem voyeuristischen Blick auf das Opfer. So ist es dann auch nur konsequent, wenn im Augenblick der Rache der gedemütigte Mann aus dem Bild gehen darf. Da wird der Regisseur, trotz aller behaupteten Parteilichkeit, erst eigentlich mitfühlend und erspart dem Zuschauer den Blick auf den vergewaltigten Mann. Manuela Reichart

Ärgerlich