Von Hans Otto Eglau

Der eine meldete sich im Auftrag bulgarischer Interessenten, ein anderer führte sich als Abgesandter griechischer Investoren ein; der Dritte sprach gar im Namen chinesischer Stellen vor. „Und das alles an einem einzigen Tag“, wundert sich der Bremer Konkursverwalter Hans-Richard Schulze über den Ansturm rühriger Kontaktvermittler.

Wo immer sich die sich auf finanzkräftige Auftraggeber berufenen Mittelsmänner melden, haben sie es stets auf dasselbe abgesehen: auf verwertbare Teile pleite gegangener Unternehmen. Während einer in dieser Wucht lange nicht erlebten Insolvenzwelle halten Griechen, Bulgaren, Südafrikaner, Koreaner und sogar Chinesen nach einem Schnäppchen Ausschau. Und immer öfter werden die an Devisen wie technischem Knowhow meist klammen Einkäufer auch fündig.

Monatelang beispielsweise fahndete Konkursverwalter Robert Wieschemann nach einem deutschen Kaufinteressenten für die im letzten August in Konkurs gegangene Baumwollspinnerei Kaiserslautern – vergeblich. In die durch Billigimporte und Konjunkturflaute schwer getroffene Textilindustrie wollte niemand mehr eine Mark investieren. Die Überraschung war groß, als der Konkursverwalter Anfang des Monats doch noch einen unerwarteten Käufer präsentieren konnte: die Volksrepublik China.

Aber nicht nur die professionellen Pleitenabwickler haben zur Zeit alle Hände voll zu tun, für die Opfer der schwersten Nachkriegs-Rezession noch Interessenten zu finden. Mit im Spiel sind vor allem führende Firmen-Vermittler wie die Düsseldorfer Interfinanz GmbH oder ihr Hamburger Konkurrent Horst Angermann sowie die Großbanken, die für diese Art von Geschäften eigene Abteilungen unterhalten. Auch renommierte Anwaltskanzleien mit internationalen Kontakten sondieren im Auftrag ausländischer Klienten günstige Einstiegsmöglichkeiten in die deutsche Industrie. Einige Ostblockländer schicken sogar die Handelsattaches ihrer Botschaften umher, um die Übernahme interessanter Firmen vorzubereiten. So machten schon vor längerer Zeit -bulgari sehe Diplomaten bei Banken und Firmenmaklern Visite, um ihre Kaufwünsche zu präsentieren.

Bei der Rheinischen Maschinenfabrik & Gießerei Anton Röper in Dülken kamen sie Anfang dieses Jahres erstmals zum Zuge. Ohne Erben und große Lust, aus ihrem Privatvermögen fünf bis zehn Millionen Mark in die leere Firmenkasse nachzuschießen, hatten sich die fünf Familien-Gesellschafter schon seit längerem nach einem Übernahmeinteressenten für ihr auf Standardbohrwerke und Gießereiausrüstungen spezialisiertes Unternehmen umgesehen. Daß ausgerechnet die Industriefunktionäre des bulgarischen Staatsmonopols „Maschino-Export“ am Niederrhein Einzug hielten, irritierte Röper-Finanzmanager Wilfried Seeger nach eigenem Bekenntnis wenig: „Das sind nicht nur Knoblauchzüchter und Yoghurtesser.“ Auf der Düsseldorfer Metall-Fachmesse „Metav“ Mitte Februar will Seeger sogar eine deutlich größere Beachtung durch Besucher und deutlich renten registriert haben: „Hinter uns stehen jetzt Gesellschaften mit mehr als 100 000 Beschäftigten und Mplliardenumsätzen.“

Schnell und vor allem billig an deutsches Werkzeugmaschinen-Know-how zu kommen, hatten auch die Manager des koreanischen Maschinenbau-Unternehmens Tang II Industry Company Ltd. in Seoul im Sinn. Ende vergangenen Jahres übernahmen sie von der Kohle-Nachfolgefirma Harpener AG sowie aus Familienbesitz die Wanderer Maschinen GmbH in Haar bei München. Die Asiaten, durch ihre Handelfirma Saeilo Machinery GmbH in Kaarst bei Düsseldorf bereits bestens eingeführt, hatten schon längere Zeit nach einer käuflichen Firma Ausschau gehalten. So sollen sie, wie es heißt, nicht nur an der gegen chronische Ertragsschwäche ankämpfenden Pittler Maschinenfabrik AG im hessischen Langen interessiert gewesen sein, an der Deutsche Bank und Dresdner Bank zu jeweils über 25 Prozent beteiligt sind; im Visier hatten sie auch Anteile an der Ludwigsburger Hüller Hille GmbH, von denen sich der Thysssen-Konzern nach dem Willen der Fusionskontrolleure im Berliner Kartellamt bis auf eine Quote von vierzig Prozent trennen soll.