Bei den Wahlen zu den Departements-Parlamenten, den Generalräten, haben die Regierungsparteien ihren Vorsprung vor der konservativen Opposition eingebüßt. Linke und Rechte sind nach dem ersten Wahlgang etwa gleichauf.

Die Wahlen vom letzten Sonntag, bei denen die Hälfte der Generalräte in den Departements erneuert wurde, bestätigten das vertraute Bild vom zweigeteilten Frankreich, das im vergangenen. Jahr bei den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen durcheinandergeraten war. Die linken Parteien kamen am Sohn tag zusammen auf 49,6 Prozent der Stimmen, die konservativen Parteien auf 49,9 Prozent. Die Kandidaten der Umweltschützer schafften nur 0,4 Prozent.

Vergleiche zwischen Wahlen von nationaler Bedeutung und Wahlen auf der Ebene der Departements sind natürlich nur bedingt möglich. Doch der Trend vom letzten Sonntag weist darauf hin, daß die Franzosen den linken Erdrutsch von 1981 zu korrigieren beginnen.

Auffallend ist auch der Rückgang der kommunistischen Anhängerschaft. Mit 15,9 Prozent der Stimmen kam die KPF etwa auf das gleiche Ergebnis wie bei den Parlamentswahlen 1981 (gegenüber 22,5 Prozent bei den letzten Generalratswahlen vor drei Jahren). Die KPF kommt über den historischen Tiefstand nicht hinaus. Dabei hatte sie als einzige Partei in allen Wahlkreisen einen eigenen Kandidaten aufgestellt.

Die sozialistische Partei kann mit Recht darauf hinweisen, daß sie mit 29,9 Prozent der Wählerstimmen eindeutig die stärkste Partei im Lande geblieben ist. Das sind zwar 7,6 Prozent weniger als bei den Parlamentswahlen; doch sieht man vom Spitzenergebnis des letzten Jahres ab, zeigt sich eine kontinuierliche Aufwärtsentwicklung.

Die Machtverhältnisse innerhalb der Opposition sind nur schwer aus den Ergebnissen herauszulesen, da sie in aller Regel gemeinsame Kandidaten präsentierte. Wenn die Gaullisten jetzt auf 18 Prozent und die übrigen Parteien des ehemaligen Regierungslagers zusammen auf 18,8 Prozent kamen, dann hängt das nicht zuletzt mit der Aufteilung der Kandidaturen ab.

Viele Beobachter glauben heute, daß die Wahlen des letzten Jahres untypisch waren und der Linksruck nicht der politischen Grundstuktur des Landes entspricht. Das war (unter umgekehrten Vorzeichen) schon 1968 so, als nach den Mai-Unruhen eine erdrückende gaullistische Mehrheit in die Nationalversammlung einzog, sich jedoch nicht lange halten konnte. Klaus-Peter Schmid

(Paris)