Die Palette von Partnerschaften aller Art ist um eine Nuance bereichert worden. Jetzt gibt es eine Partnerschaft zwischen zwei Straßen: zwischen der „Romantischen Straße“ in Deutschland und der „Romantischen Straße“ in Japan.

Seit Beginn dieses Jahres verläuft auf der japanischen Hauptinsel Honschu ein 260 Kilometer langes Asphaltband unter der deutschen Bezeichnung „Romantische Straße“. Das schwesterliche Pendant zur 350 Kilometer langen „Romantischen Straße“ zwischen Würzburg und Füssen soll noch in diesem Jahr von einer bayerisch-japanischen Delegation „auf eine partnerschaftliche Grundlage“ gestellt werden, wie Bernd Goebel, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft „Romantische Straße“ und Verkehrsdirektor von Rothenburg ob der Tauber, sagt.

Japans Traumstraße beginnt etwa 200 Kilometer nördlich von Tokio in Karuizawa und schlängelt sich durch sanfte Täler und grüne Reisfelder vorbei an malerischen Seen und tätigen Vulkanen zur berühmten Tempelstadt Nikko. Für die Route wirbt ein Prospekt, in dem das Markenzeichen „Romantische Straße“ auf deutsch und in lateinischen Buchstaben mitten unter den japanischen Schriftzeichen erscheint.

Die deutsch-japanische Straßenfreundschaft über alle Grenzen hinweg hat allerdings handfeste kommerzielle Hintergründe. Goebel: „Wir sehen in der geplanten Partnerschaft eine gute Chance, die Position der Nummer eins unter den deutschen Touristik-Routen weiter zu festigen.“ Davon sollen die 23 Städte und Mitgliedsorte längs der Romantik-Route zwischen Würzburg und Füssen profitieren, die das von den Japanern geschätzte Mittelalter zuhauf präsentieren. Schon heute stellen die Japaner nach den US-Amerikanern das zweitstärkste Urlauberkontingent, das auf der „Romantischen Straße“ gen Süden rollt.

Auch die Deutsche Zentrale für Tourismus hat ausgemacht: Japan wird einer der wichtigsten Auslandsmärkte für den deutschen Fremdenverkehr. Schon jetzt investieren die Deutschland-Werber aus Frankfurt fast zehn Prozent ihres Werbeetats in Japan – etwa drei Millionen Mark. Da kommen die flankierenden Maßnahmen von Japans größter Warenhauskette Mitsukoshi gerade zur rechten Zeit: Im April startet der Konzern landesweit eine „Deutsche Woche“. Ein Schwerpunkt des Präsentations- und Informationsprogrammes: die „Romantische Straße“ (deutsch) mit Querverweisen auf die „Romantische Straße“ (japanisch).

Richard Hagel