Mit einer unsicheren Mehrheit muß Charles Haughey Irland regieren. Seine Probleme sind die alten: die schlechte Wirtschaftslage und keine Aussicht auf Wiedervereinigung mit Nordirland.

Er hat es wieder geschafft, der Fuchs der irischen Politik. Klarer als erwartet wurde Charles Haughey in Dublin zum „Taoiseach“ gewählt, wie dort der Premierminister heißt. Obwohl seine Partei, die Fianna Fall, nur über 81 von 166 Parlamentssitzen verfügt, holte er aus der Gruppe der sieben „Unabhängigen“, einer Mixtur von rechts bis links, fünf Ja-Stimmen. Daß auf solche Mitläufer gleichwohl kein dauerhafter Verlaß ist, weiß Haughey genau. Sein Vorgänger Fitzgerald stürzte, als ihm diese Einzelgänger die Gefolgschaft versagten.

Unter ihnen befinden sich diesmal keine verkappten IRA-Kandidaten. Die Wahl war ohne jenen dramatischen Hungerstreik verlaufen, der im letzten Sommer die Abstimmungen vor allem im Norden der Republik, an der Grenze zu Ulster, in Plebiszite für die Wiedervereinigung beider Inselhälften verwandelt hatte. Ohne solche Emotionen sind auch Iren durchaus vernunftorientierter Entscheidungen fähig.

Haughey wird versuchen, dort anzuknüpfen, wo er seine Nordirland-Verständigung mit der britischen Premierministerin Margaret Thatcher nach der Wahlniederlage im Juni 1981 aufgeben mußte. Vor kurzem schienen die Aussichten dafür recht günstig. Der neue britische Ulster-Minister, James Prior, die verkörperte Kompromißbereitschaft, hatte einen neuen Anlauf unternommen, um Protestanten und Katholiken in Nordirland endlich zu versöhnen. Doch die größte der protestantischen Parteien in Nordirland hat schon alle Hoffnungen zunichte gemacht; mit ihrer Ablehnung fällt das ganze Projekt. Reverend Ian Paisley, der militante Führer der Protestanten, hat mit seiner Partei eine Schlappe in einer Belfaster Nachwahl zum Unterhaus erlitten. Das wird ihn kaum konzilianter, eher militanter machen.

Haughey aber, der in der eigenen Fraktion mehrere „Terroristen“ sitzen hat, die ihn am liebsten als Parteichef beseitigen würden, hat dringlichere Sorgen: 23 Prozent Inflationsrate, 13 Prozent Arbeitslosigkeit und eine Pro-Kopf-Auslands-Verschuldung, wogegen die polnische milde genannt werden kann. Der neue Staatshaushalt kann kaum gnädiger mit dem Steuerzahler umgehen als der, über den Fitzgeralds Koalition zu Fall kam. Am 23. März kommt die Stunde der Wahrheit.

Um dennoch etwas bieten zu können, ist Haughey sofort dorthin geeilt, wo es mehr Iren gibt als in Irland: in die USA. Wo die IRA Geld für Waffen holt, will der wegen Waffenschmuggels für die IRA einmal angeklagte, aber freigesprochene Haughey Geld für ein Irland ohne die IRA holen.

Karl-Heinz Wocker (London)