Das alte Lied: Ohne können wir nicht leben, zuviel davon ist schädlich. Auf die Liebe trifft es zu, auf das Wasser, den Sauerstoff, das Fett... Neuerlich wird die alte Weise besonders laut zu einem uralten Thema gesungen: Salz.

Sterben muß, wer nicht genug Salz bekommt, und totgeweiht ist der Unglücksmensch, der es im Übermaß zu sich nimmt. Jeder weiß das, aber kaum jemand kümmert sich darum, beim Salzen die rechte Dosis einzuhalten. Denn die Natur hat uns mit einem empfindlichen Dosimeter ausgestattet. Wir werden ungehalten, wenn das Salz in der Suppe fehlt. Doch wehe dem, der uns die Suppe versalzt.

Wenn wir also mit unserem Geschmack fürs rechte Maß den Salz-Haushalt des Körpers so natürlich regulieren, warum wird dann in jüngster Zeit soviel Aufhebens davon gemacht?

Weil großangelegte Studien jetzt unwiderlegbar erwiesen haben, was lange schon vermutet wurde, nämlich daß auf das Salz auch der andere Evergreen zutrifft: So wie wir heute sind, hat uns Mutter Evolution in den Jahrmilliarden geschaffen, in denen es noch keinen Supermarkt gab und fast alles Lebenswichtige mühsam erkämpft und erarbeitet werden mußte. Darum sind wir gegen den Überfluß des Notwendigen nicht gewappnet.

Mit dem Kochsalz führen wir unserem Körper Natrium zu. Das braucht er für den Stoffwechsel seiner Zellen. Funktionieren aber kann dieses Metall nur im Verein mit einem nahen Verwandten, dem Kalium. Doch während der zivilisierte Mensch beim reichlich vorhandenen Kochsalz kräftig zulangt, ist’s um das Kalium in seiner Nahrung kümmerlich bestellt. Beim Zubereiten der Speisen nämlich gerät es ins Kochwasser und mit ihm meistens in den Ausguß. Bei Konserven und Fertiggerichten hat dafür schon die Fabrik gesorgt.

Also müssen wir mit zuviel Natrium und zuwenig Kalium leben. Dafür ist unser Körper nicht eingerichtet; nur unvollkommen paßt er sich dem gestörten Gleichgewicht an. Allzu oft muß er kapitulieren. Die Folge: Bluthochdruck. Tückisch ist diese weitverbreitete Krankheit, weil wir sie nicht spüren. Sie führt zum Schlaganfall, zum Herzinfarkt und Nierenversagen.

Bluthochdruck läßt sich zwar mit Medikamenten recht zuverlässig senken. Aber diese Arzneimittel müssen bis ans Lebensende geschluckt werden – wen beschliche beim Gedanken daran nicht Unbehagen. Darum empfehlen moderne Mediziner den Weg zurück zur Natur, in der sich Natrium und Kalium einmal die Waage gehalten haben. Vorsorge und Therapie sind simpel: Am Salz sparen, kein Kochwasser abgießen, möglichst Fertiggerichte und Konserven meiden. Für diejenigen, die vom Salz und Gesalzenen nicht lassen können, gibt’s seit gut einem Jahr in der Apotheke ein Salz zu kaufen, in dem das Natrium durch Kalium ersetzt worden ist. Kaliumchlorid statt Natriumchlorid, auf die Idee waren schon viele gekommen. Aber erst eine neue Chemietechnik – Mikroenkapsulierung genannt – hat ein Produkt möglich gemacht, das in den – meisten – Speisen wie das gute alte NaCl schmeckt.