Die schönen sorglosen Tage an den Sonnenstränden Portugals sind für Aussteiger auf Zeit, Rucksack-Urlauber und Drogen-Touristen nun zu Ende.

Mit der Sehnsucht nach der großen Freiheit zum Nulltarif ist jetzt an der Algarve oder an den anderen weit geschwungenen Atlantikküsten kein Land mehr zu gewinnen. Dem Staatssekretär für Tourismus in Lissabon, Nandim de Carvalho, ist es zuzuschreiben, daß das am Strand dösende Alternativ-Völkchen unsanft aus dem Schlummer gerissen wurde. Ab sofort gilt ein ministerieller Erlaß, wonach alle nach Portugal Einreisenden mindestens 5000 Escudos (zirka 180 Mark) und für jeden Tag Aufenthalt 500 Escudos vorweisen müssen.

Doch dieser vordergründig fremdenverkehrsfeindliche Ukas spart in aller Regel Pauschal-Urlauber und Individualreisende mit stattlichen Autos aus. Mit lusitanischer Schlitzohrigkeit verabschiedeten die Portugiesen ihre Anti-Ferien-Paragraphen als Kann-Bestimmung.

Die Grenzpolizei wird sich also gezielt jene Touristen herauspicken, deren Äußeres zu der Vermutung Anlaß geben könnte, die Liebe zu Portugal stehe im umgekehrten Verhältnis zum Inhalt der Brieftasche. Unumwunden gibt die Pressesprecherin des Portugiesischen Touristik-Amtes in Frankfurt zu, daß die Geldkontrolle ("Kein Zwangsumtausch") an der Grenze sich gezielt gegen die bargeldlosen Freaks aus aller Herren Ländern richtet, die sich vor allem die Algarve zum sommerlichen Tummelplatz erkoren haben. In ihrem Gefolge: Drogenhandel, Diebstahl auf den Feldern, Bettelei und gelegentlich Prostitution. Außerdem wollen die Behörden den heimischen Arbeitsmarkt vor unliebsamer Konkurrenz schützen: Ausländische Aussteiger bieten ihre Muskelkraft zur? Erwerb des täglichen Brotes weit billiger an als portugiesische Arbeitnehmer.

Um nicht den gestrengen Blick der Grenzgeldwächter auf sich zu ziehen und dem Vorurteil, alle Langhaarigen seien drogenverseuchte Habenichtse, Nahrung zu geben, bleibt für die Rebellen im Schlafsack wohl nichts anderes, als sich eine Weisheit aus dem Schatzkästlein deutscher Bürgerlichkeit anzueignen: "Kleider machen Leute."

Rainer Schauer