Von Andreas Kohlschütter

Paris, im März „Wie lange wollen die eigentlich noch hier bleiben?“, fragt der französische Polizist mit der umgehängten Maschinenpistole und dem knurrenden Schäferhund an der Leine. Er gehört zu jener Gendarmerie-Einheit, die, zusammen mit Staatssicherheitsbeamten in Zivil, 35 Kilometer von Paris entfernt zwei prominenten Revolutionären aus dem Iran Schutz gewähren: Abolhassan Bani-Sadr, dem ehemaligen Staatspräsidenten der islamischen Republik, und Massud Rajavi, dem Führer der linksradikalen Volks-Mujahedin.

Gemeinsam entkamen sie ihren Teheraner Häschern vergangenen Juli in einem gekaperten, von einem sympathisierenden Luftwaffenoberst geflogenen Armeejet. Gemeinsam gründeten sie im Exil von Auvers-sur-Oise einen „Nationalen Widerstandsrat“ (dem sich die schlagkräftige demokratische Partei Kurdistans anschloß). Unermüdlich geloben sie, den Kampf im fernen Iran von diesem idyllischen Rentner- und Ausflugsort aus „bis zum Sturz des Chomeini-Regimes“ zu führen, die iranische Revolution „auf ihren ursprünglichen Weg“ zurückzuführen, sie also „von der despotischen Machtkonzentration durch die islamischen Schriftgelehrten zu befreien“ und auf einen „Sozialismus in Freiheit“ auszurichten.

Wie die vor ihnen ins Exil Geflüchteten – Schahfamilie, schahtreue Generäle, traditionelle Monarchisten, Republikaner, Liberaldemokraten, Sozialdemokraten und Sozialisten – glaubten auch Bani-Sadr und Rajavi zu Beginn an das Comeback „in wenigen Wochen“, „in zwei Monaten“, „in Bälde“. Sie packten gar nicht recht aus, lebten aus den Koffern; doch die Militanz dieser beiden vertriebenen Kinder der iranischen Revolution weicht inzwischen der Resignation. Der trübe Gedanke, daß Auvers-sur-Oise politische Endstation sein könnte, scheint beiden nicht fremd.

Das läßt besonders Bani-Sadr erkennen. „Verratene Hoffnung“ heißt der Arbeitstitel des Buches, das er in sechs Exilmonaten zur iranischen Revolution verfaßt hat, jener Revolution, die mit dem „Islam als Methode zur Befreiung der arbeitenden Klassen“ und als „Teil einer weltweiten, spontanen Ablehnung despotischer Macht“ im Januar 1979 zum Sturz des Schahs führte. Doch Bani-Sadr weiß um die Gefahr solcher „Suche nach einer anderen, besseren Welt“. Mit einem Unterton schmerzhafter Skepsis stellt er fest: „Ich bin kein Determinist, die Revolution wird nicht zwangsläufig siegen. Die Geschichte kennt lange Zeiten, in denen das nicht klappte. Revolutionen sind wie neugeborene Kinder, man muß sie pflegen, oder sie gehen ein.“

Der Ex-Präsident leugnet nicht, daß trotz der Zerfallserscheinungen und katastrophalen Wirtschaftslage das Chomeini-Regime eine erstaunliche Überlebensfähigkeit beweist. Er führt folgende Gründe an:

Erstens den Golfkrieg gegen den Irak, der Chomeini und den Mullahs erlaubt, innere Krisen durch die Entfachung nationalistischer Abwehrreflexe zu neutralisieren;