Bei den Antipoden verdient die Ruhrkohle endlich einmal Geld

Karlheinz Bund, Chef der Ruhrkohle AG, nutzte die Gunst der Stunde. Beim Dinner der Australian German Association in Sydney waren alle versammelt, die Rang und Namen im Bergbau des Landes haben. Seine Rede machte sichtlich Eindruck und festigte die Position, die sich der deutsche Kohle-Manager in Australien geschaffen hat.

Dabei gehört die Ruhrkohle keineswegs zu den Großen im Bergbaugeschäft des fünften Kontinents. Knapp 70 Millionen Mark hat das Essener Unternehmen in seine Beteiligung gesteckt und sein Anteil an der australischen Kohlenförderung liegt bei nur 0,3 Prozent. In Australien sind Leute wie Bund dennoch willkommen. Sie bringen neben dem Geld auch Ideen ins Land, fördern Kohle und sorgen für deren Export. Das bringt Devisen und Steuergelder.

Die Kokskohle, die der Ruhrkohle aus der Beteiligung an der Grube German Creek im Staate Queensland zur Verfügung steht, ist für die nächsten Jahre fest an japanische Stahlunternehmen verkauft. Das ist für die Australier, aber auch für die Ruhrkohle beruhigend, die in der Vergangenheit mit Auslandsbeteiligungen nicht gerade die besten Erfahrungen gemacht hat. Probleme, die sich aus der unterschiedlichen Mentalität deutscher Bergbauexperten und einheimischer Bergleute ergeben können, sind diesmal von vornherein ausgeschaltet, denn die am German Creek beteiligten Firmen haben den Grubenbetrieb gleich einem australischen Unternehmen übertragen.

Ein sicheres Geschäft darf auch der australische Staat erwarten. Das Abkassieren beginnt bei der Förderung und endet erst, wenn die Kohlenschiffe mit Kurs Japan abgelegt haben:

  • Für jede Tonne Kokskohle, die in Queensland aus dem Boden geholt wird, müssen zunächst einmal 3,50 australische Dollar (rund neun Mark) an die Regierung gezahlt werden.
  • Nächste Zahlstelle ist die Eisenbahn, bei der sich die Australier etwas besonderes Pfiffiges haben einfallen lassen. Die Bergwerksgesellschaften müssen nämlich die Bahnlinien selbst bauen und die Züge auf die Gleise stellen. Eigentümer wird dann jedoch die staatliche Eisenbahngesellschaft, die den Aufwand der Bergbauunternehmen so lange gegen die Transportkosten verrechnet, bis er abgegolten ist. Dann fließt alles Geld in die Kassen des Staates, der auch bei der Schiffsverladung noch einmal zulangt.
  • Die Lager- und Umschlagseinrichtungen an Land betreiben die Bergwerksunternehmen selbst, aber das Transportband, das die Kohle zu dem rund drei Kilometer vor der Küste ankernden Schiff bringt, ist staatlich. Für seine Benutzung wird eine Art „Brückenzoll“ erhoben.
  • Daß von den Gewinnen der Bergwerksgesellschaften überdies noch Einkommensteuer erhoben wird, ist selbstverständlich.

Wenn die Weltmarktpreise für Kohle steigen, können die Australier deshalb an vielen Steuerschrauben drehen, um von dem Segen etwas abzubekommen. John Douglas Anthony, stellvertretender Ministerpräsident und Minister für den Außenhandel, schließt deshalb eine „Anpassung“ von Frachtraten und Förderabgaben schon heute nicht aus.