Die heute übliche Präsentation von Kunstwerken noch Medium, Schule und Gattung verwandelt Museen allzu oft in knochentrockene kunsthistorische Lehranstalten. Aspekte der Kultur- und Geschmacksgeschichte bleiben ebenso unberücksichtigt wie die Entwicklungsgeschichte des Museums. Um so wichtiger ist jede sammlungsgeschichtliche Sonderschau. Was zum 150. Jahrestag der Berliner Museen nicht möglich war, wurde während der Preußen-Ausstellung im Gropius-Bau und wird jetzt im Kupferstichkabinett nachgeholt: eine Zusammenstellung graphischer Arbeiten aus frühem kurfürstlich-königlichem Besitz. Die Zeichnungen gehörten anfangs zur Manuskriptenkammer der Bibliothek. Später gelangten sie in Schinkels Altes Museum, wo 1831, ein Jahr nach der Eröffnung, ein Inspektor für das Kupferstichkabinett bestellt und wo der bescheidne Bestand von 480 Blatt der Grundstein war für eine der heute umfangreichsten Sammlungen. Die Anfänge liegen im Jahr 1652, als der Große Kurfürst mit der sidamerikanischen Sammlung von Johann Moritz von Nassau-Siegen auch mehr als 2500 aus naturwissenschaftlichem Interesse angefertigte Zeichnungen und Aquarelle erwarb – ganze vier davon, Zeichnungen Albert Eckhouts von Tapuya-Indianern, sind heute noch in Berlin. Die eigentliche Handzeichnungensammlung aber ist wohl eine Gründung des „Soldatenkaisers“ Friedrich Wilhelms I. Sie geht auf eine italienische Sammlung und die des jüngeren Matthäus Merian zurück. Andere altdeutsche Arbeiten schließen sich an. Es sind viele interessante Arbeiten in der Sammlung, aber wenige von wirklich überragender Qualität; alles hatte eher zufälligen Charakter als den der Kennerschaft. Ihre wirkliche Bedeutung erlangte das königliche Kabinett erst durch bürgerlichen Sammelfleiß. (Kupferstichkabinett bis 12. April, Katalog 12 DM)

Ernst Busche

Köln: „Wilfried Maria Blum – Keramiken“

In den wie lächelnd emporgezogenen Mundwinkeln des Leguans liegt ein Stück Weisheit der Natur, im massigen, panzerhautgefalteten Hinterteil des Nashornbullen von der Größe eines Frischlings ihre Schwere und Kraft. Anmut zeigt sich in den tänzelnden Gliedmaßen der Einhörner, im gesenkten Haupt der Stiere die Lust am Töten. Tierplastiken von Wilfried Maria Blum, dem bald Dreißigjährigen, sind vorerst nur den Eingeweihten ein Begriff. Der Bampi-Preisträger des Jahres 1981, der Autodidakt mit dem Zahntechniker-Gesellenbrief, gilt als Eigenwilliger unter seinesgleichen. Wie er seinen beiden Araberhengsten in der verkleinerten Wiedergabe nadelspitz zulaufende Hörner auf die Stirn setzt, wie er Mäuse über Scherben kriechen und Frösche, Lurche seines Terrariums an céladongrünen Kelchen, Vasen, Teekannen sich emporrecken läßt oder ihnen Kugelformen zum Aufbrechen gibt und den Echsen spindeldürre Fingerrippen modelliert, die netzartig flache Schalen umspannen – das ist einfühlsame Naturinterpretation und, dem Anschein nach, Wiederaufnahme der Jugendstilthematik. Paradoxerweise ist alles Getier dem Geist der Graphik – Dürers Rhinoceros, aber auch Dalis Insektenbeinenelefant – näher als den in zoomorphen Gebilden schwelgenden Art Nouveau-Meistern in der Nachfolge des Renaissancevorbildes Palissy. Dem phantastischen Realismus artverwandt und zugleich dem Töpferhandwerk Ostasiens verpflichtet: Technik der Flammenführung über dem Holzfeuer, der bis auf 1400 Grad erhitzten Libellen, Grillen, Antilopen, Tiger ihre Verfremdungen verdanken. Chimären sie alle, Fabelwesen. (Galerie Glockengasse 4711 bis 28. März) Ursula Voß

Wichtige Ausstellungen

Berlin: „Die Pferde von San Marco“ (Martin-Gropius-Bau bis 25. 4., Katalog 25 Mark)