Von Claudia Dillmann

Frankfurt/Main

Er könne kein Englisch, erzählt der smarte Typ hinter der Theke den Polizisten, folglich könne er dem Amerikaner auch nicht gedroht haben. „Trouble“, das Wort kenne er, aber sei das eine Drohung? Schulterzucken. Der junge Amerikaner beschwert sich, hat er sich doch von einer der Frauen an der Tür anhauen lassen, für Dreifünfzig ein Bier zu trinken und ihr gleich einen Drink mitbestellt. Macht 39,50 Mark, die er nicht bezahlen wollte und – angeblich bedroht – dann doch zusammenkratzte. „Fünfzigpfennigweise“, empört sich der hinter der Theke: „Der hätte doch fragen können, was ein Drink kostet.“

Die alte Geschichte. Die beiden Uniformierten nehmen den sich immer noch beschwerenden Amerikaner wieder mit, die Frauen beziehen erneut Posten an der Tür, der Barmann übt sich weiter in Empörung: „Ich laß mich doch nicht auf den Arm nehmen. Wir arbeiten hier reell.“

Reell – das Wort klingt nach. Reell, Realität, Wirklichkeit: Aus Lautsprechern tönen deutsche Schlagerschnulzen, während auf der Leinwand am hinteren Ende des verdunkelten Raumes Pornofilme laufen, die alle mit der sichtbaren Ejakulation des Mannes enden. Ob das die Echtheit der gezeigten Lust verbürgen soll?

„Ich hab’ nichts gegen die Polizei“, sagt der Geschäftsführer, „die neuen Razzien kommen uns gerade recht. Die bringen vielleicht wieder Ruhe hier rein. Von wegen der vielen Ausländer und Haschbrüder. Wär’ gut fürs Geschäft.“

Das Geschäft des Frankfurter Bahnhofsviertels: 23 Bordelle, 1000 bis 1500 Prostituierte, Peep-Shows, die jetzt geschlossen werden sollen, Sex-Shops, Spielsalons, Striptease-Bars, Saunen, Massagesalons. Das alles in wenigen Straßenzügen, im Hinterhof der Bankenburgen, zwischen Hauptbahnhof und Innenstadt. Und: Hotels, die mit Asylbewerbern vollgestopft sind, Wohnheime für ausländische Angestellte internationaler Firmen.