Es mögen vielleicht gut und gern acht Milliarden Pfund gewesen sein, lautet die freudige, aber etwas unsichere Meldung aus London für den Überschuß in der Leistungsbilanz 1981. Die amtlichen Statistiker tappen etwas im Dunklen. Es fehlen nämlich die Zahlen der Handelsbilanz für die sechs Monate von März bis August. Die Kollegen in der Zollverwaltung haben damals gestreikt. Die Dokumente für Einfuhren und Ausfuhren liegen noch dort, wo sie sich nach dem Lohnstreik angesammelt hatten.

Ein Überschuß von acht Milliarden Pfund oder 36 Milliarden Mark ist ein herausragendes Ergebnis unter Industrieländern. Aber Großbritannien steckt in einer tiefen Rezession, was die Einfuhren drosselt, und hat eine positive ölbilanz. Trotzdem ist der Umschwung frappant. Denn Großbritannien kannte früher nur Defizite.

Damals hat London stets die Überschußländer aufgefordert, durch eine Belebung der Binnennachfrage ausländischen Lieferanten eine größere Chance zum Abbau der Defizite zu geben. Nun ist, wie man hier sagt, der Schuh am anderen Fuß. Die Statistiker der Regierung erwarten denn auch für 1982 ein Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent. Die Exporte sollen um 3,5, die Importe um 9,5 Prozent steigen. Der Überschuß in der Leistungsbilanz soll auf vier Milliarden Pfund fallen. Ein Hauch von Lokomotiv-Theorie.

Ob es so kommen wird? Vor einem Jahr hatte die Regierung für 1981 einen Überschuß von nur drei Milliarden Pfund vorausgesagt. wk.