Die deutschen Motorrad-Hersteller haben abermals einen Markt an die Japaner verloren

Wahrscheinlich war der japanische Weg der richtigere“, seufzt Norbert Engler, Geschäftsführer der Nürnberger Hercules-Werke. „Wir wollten eben ein richtiges Motorrad machen, mit neuem Motor und neuem Rahmen“ – die fernöstliche Konkurrenz dagegen sei von vorhandenen Mokick-Modellen ausgegangen und habe sie entsprechend den neuen deutschen gesetzlichen Bestimmungen nur aufgemöbelt.

Damit sucht Engler wenigstens zum Teil zu erklären, warum die japanischen Zweiradproduzenten den deutschen Herstellern in der neuen Klasse des Achtzig-Kubikzentimeter-Leichtkraftrads mit Billigmaschinen so virtuos die Schau gestohlen haben. Auf Anhieb sicherten sich die Asiaten einen Marktanteil von über sechzig Prozent.

Die neue Klasse sollte gerade den heimischen Fabrikanten – Hercules, Zündapp in München, Kreidler in Zuffenhausen/Kornwestheim – eine Chance eröffnen: viel leiser und damit umweltfreundlicher als das alte 50-ccm-Kleinkraftrad, extrem billig in der Versicherung, in der Geschwindigkeit allerdings auf achtzig Kilometer in der Stunde begrenzt, schieh es dazu ausersehen, einen neuen Boom auszulösen.

Der Boom kam. Rund hunderttausend Zulassungen wurden 1981 in der neuen Klasse registriert. Aber die Japaner machten eindeutig das Rennen: allen voran Honda mit 33,8 Prozent Marktanteil vor Yamaha mit 19,5 Prozent. Erst auf dem dritten Platz rangierte Zündapp mit knapp 13 000 zugelassenen Maschinen und 12,7 Prozent, während Hercules es nur auf 9,7 Prozent brachte. Kreidler kam viel zu spät mit der Achtziger auf den Markt, und erreichte gerade kümmerliche 1,5 Prozent Anteil. Damit war das Schicksal des schwäbischen Unternehmens, das inzwischen Konkurs angemeldet hat, endgültig besiegelt.

Die Japaner machten das rasche Geschäft vor allem über den Preis. Während ihre Typen durchweg unter 3000 Mark blieben, kosteten die Hercules-Modelle im Fachhandel zwischen 3450 Mark und 4450 Mark. Zündapps bisher einziges Modell ist 4295 Mark teuer. Gleichwohl weist Zündapp-Geschäftsführer und Mitgesellschafter Dieter Neumeyer den auch vom Fanblatt Motorrad erhobenen Vorwurf der Hochpreispolitik zurück: „Wir können von unseren Kosten her gar nicht anders. Jede Abkehr von unserem Qualitätsstandard aber wäre tödlich. Unsere Kunden setzen gerade auf den hohen Wiederverkaufspreis unserer Fahrzeuge.“

Daß man aus Kostengründen nie mit den Japanern gleichziehen könne, verdeutlicht Engler: Eine Honda, die hier schon für 2600 Mark zu haben ist, habe in der Herstellung wohl nicht mehr als 1200 Mark gekostet. In der Bundesrepublik müsse man allein 1800 Mark für Material einkalkulieren, dazu kämen Lohnkosten, Abschreibungen und die Handelsspanne.