Von Heinz Blüthmann

Selbst wenn nichts daraus wird, haben wir viel dazugelernt“, tröstete sich vergangene Woche Claus Detjen, Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger, für den schlimmsten Fall. Unter Detjens Klientel freilich machen sich ganz andere Empfindungen breit. Ein Verlagsmanager, der sich bei Kollegen umgehört hat, gesteht: „Nach dem Paukenschlag vor einem Jahr stehen wir jetzt ganz schön blöd da.“

Schlauer geworden oder blamiert fühlen sich die Zeitungsverleger, weil ihr seit langem ehrgeizigstes Projekt bisher nicht von der Stelle gekommen ist: Die Beteiligung an einem privaten luxemburgischen TV-Satelliten, der schon 1985 ein Programm für deutsche Zuschauer senden und so erstmals das öffentlich-rechtliche Fernsehmonopol hierzulande knacken sollte.

Dieser massive Angriff der Verleger aus dem All, Ende Februar 1981 dem verblüfften Publikum stolz verkündet, kam auch für die Politiker völlig überraschend – selbst Kanzler Helmut Schmidt wurde erst nachträglich ins Bild gesetzt. Schmidt, spätestens seit seinem Plädoyer für einen fernsehfreien Tag als harter Gegner privater TV-Programme bekannt, reagierte denn auch wenig erfreut – in seltener Übereinstimmung mit seiner Partei. Die SPD will die gewachsene und vermeintlich bewährte Medien-Zweiteilung in private Presse und öffentlich-rechtlich organisierte Rundfunk- und Fernsehanstalten am liebsten für alle Ewigkeit zementieren. SPD-Bundesgeschäftsführer Peter Glotz nannte den Verleger Coup wütend einen „Affront“.

Seltsam unbekümmert sahen die Zeitungsherren in jenen hektischen Tagen zu, wie zwischen ihnen und den Regierenden in Bonn tiefe Gräben ausgehoben wurden. Siegessicher erklärte Verleger („Kölner Stadtanzeiger“) und Verbandspräsident Alfred Neven DuMont seinerzeit; „Nach dem Besuch bei Schmidt hatten wir nicht unbedingt den Eindruck, als ob da ein Instrumentarium zur Abwehr zur Verfügung steht.“

Dieser Eindruck trog, wie sich später herausstellen sollte. Damals vor einem Jahr jedenfalls schienen Neven DuMont und den meisten seiner Kollegen alle Ampeln auf Grün zu stehen, um endlich den zwanzig Jahre alten Traum der Verleger zu realisieren, ein Privatfernsehen aufzubauen. Denn erstmals war eine revolutionäre Technik spruchreif, die nationale Grenzen und Gesetze leicht überspringen kann: das Satelliten-Fernsehen.

Heute werden Fernsehbilder entweder über Kabel oder von erdgebundenen (terrestrischen) Sendern zu den Antennen der Haushalte transportiert. Satelliten spielen in diesem System nur eine Rolle, um große Distanzen von Kontinent zu Kontinent und von einer Sendestation zur anderen zu überbrücken. Die Signale dieser sogenannten Fernmelde-Satelliten, die nicht nur TV-Bilder, sondern auch Daten und Telephongespräche übermitteln, sind nämlich so schwach, daß nur kostspielige Bodenstationen mit riesigen schüsseiförmigen (Parabol-)Antennen sie empfangen können.